Aus die Maus

Seit Jahrzehnten erzähle ich Menschen bei Vorträgen, Schulungen und manchmal auch ungefragt beim Abendessen, wie man einen verdächtigen Link überprüft: Nicht anklicken! Erst mit der Maus drüberfahren. Dann zeigt der Browser unten das tatsächliche Ziel an. Steht im Text »paypal.de«, unten erscheint aber »paypal-kontosicherheit.ru« – Finger weg. So einfach ist das. Und jetzt kommen irgendwelche Entwickler daher und machen mir meine schöne Schulungsfolie kaputt. Sicherheitsforscher von Malwarebytes haben 41 Webseiten entdeckt, die bekannte Programme und Spiele zum Download anbieten. Darunter VLC, 7-Zip, VMware, Total Commander, Counter-Strike oder Half-Life. Die Downloadseiten sehen erschreckend echt aus und verwenden teilweise sogar echte Informationen Aus die Maus weiterlesen

Spurenelemente

Früher war ein Wasserzeichen etwas ziemlich Edles. Man hielt einen Geldschein oder besonderes Briefpapier gegen das Licht und sah plötzlich ein Gesicht, ein Logo oder irgendeinen Bundesadler durchschimmern. Heute hält man einen KI-Text gegen das Licht und sieht: nichts. Trotzdem kann dort neuerdings ein Wasserzeichen drinstecken. Schuld ist die EU. Seit dem 2. August gelten Transparenzpflichten aus Artikel 50 des europäischen AI Acts. Anbieter generativer KI müssen synthetisch erzeugte Texte, Bilder, Videos und Audio-dateien als künstlich erzeugt oder manipuliert markieren. Bei Bildern, Videos und insbesondere bei DeepFakes halte ich das für sinnvoll. Gerade bei Letzterem, also bei Videos, die vermeintlich jemanden Spurenelemente weiterlesen

Ticket-Taktik

Schwarzfahren ist eigentlich ein erstaunlich analoges Verbrechen. Man steigt in einen Zug, besitzt keinen Fahrschein und hofft, dass niemand kommt. Das Prinzip funktioniert seit Jahrzehnten und erfordert ungefähr Null technische Ausstattung. Und genau deshalb gibt es jetzt – natürlich – eine App. Wir digitalisieren das Schwarzfahren! Nach TikTok kommt jetzt Ticket-Taktik, wobei … »Freifahren« heißt die App in echt und sie zeigt auf einer Karte, wo gerade in Berliner U- und S-Bahnen kontrolliert wird. Wer Kontrolleure entdeckt, meldet Standort und Linie. Die App sammelt die gemeldeten Informationen und versucht sogar vorherzusagen, wohin sich die Kontrolleure als Nächstes bewegen. Rund 40.000 Ticket-Taktik weiterlesen

K.I. – Klo Intelligence 

Das Klo war lange einer der letzten Orte, an dem man einigermaßen unbeobachtet sein konnte. Tür zu, Hose runter, Ruhe. Keine Cookies, keine Gesichtserkennung, kein „Andere Nutzer kauften auch“. Doch selbstverständlich konnte die Digitalisierung diesen Zustand nicht länger hinnehmen. Wenn Kühlschrank, Zahnbürste und Personenwaage Daten sammeln, kann die Toilette schließlich nicht einfach nur dastehen und spülen. Smarte Toiletten gibt es tatsächlich schon seit Jahren. Der japanische Sanitärhersteller Toto experimentierte früh mit Modellen, die Ausscheidungen analysieren können. Darüber hatte ich schon mal geschrieben. Sensoren messen die Urinmenge, andere Systeme untersuchen Urin oder Stuhl auf gesundheitlich interessante Werte. Die Idee dahinter ist K.I. – Klo Intelligence  weiterlesen

Mein Fernseher hat nen Nebenjob

Mein Fernseher hat jetzt einen Nebenjob. Das ist grundsätzlich erfreulich, denn das faule Ding hängt seit Jahren an meiner Wand herum, glotzt mich an und verbraucht Strom. Nun stellt sich heraus: Manche Smart-TVs können durchaus etwas zum Haushaltseinkommen beitragen. Nur leider nicht zu meinem. Der Trick nennt sich Residential Proxy und funktioniert ungefähr so: Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt dabei seine IP-Adresse. Webseiten können recht gut erkennen, ob eine Anfrage von einem normalen Privatanschluss kommt oder aus einem Rechenzentrum. Letzteres ist verdächtig, wenn plötzlich 80.000 Anfragen in drei Minuten eintrudeln. Ein normaler Internetanschluss in München, Madrid oder Mönchengladbach wirkt Mein Fernseher hat nen Nebenjob weiterlesen