K.I. – Klo Intelligence 

Das Klo war lange einer der letzten Orte, an dem man einigermaßen unbeobachtet sein konnte. Tür zu, Hose runter, Ruhe. Keine Cookies, keine Gesichtserkennung, kein „Andere Nutzer kauften auch“. Doch selbstverständlich konnte die Digitalisierung diesen Zustand nicht länger hinnehmen. Wenn Kühlschrank, Zahnbürste und Personenwaage Daten sammeln, kann die Toilette schließlich nicht einfach nur dastehen und spülen.

Smarte Toiletten gibt es tatsächlich schon seit Jahren. Der japanische Sanitärhersteller Toto experimentierte früh mit Modellen, die Ausscheidungen analysieren können. Darüber hatte ich schon mal geschrieben. Sensoren messen die Urinmenge, andere Systeme untersuchen Urin oder Stuhl auf gesundheitlich interessante Werte. Die Idee dahinter ist durchaus sinnvoll: Wir produzieren schließlich täglich schönes Untersuchungsmaterial, spülen es aber mit mehreren Litern Trinkwasser Richtung Kläranlage. Nicht nur medizinisch betrachtet eine gewisse Verschwendung.

Besonders interessant sind solche Systeme natürlich für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder chronisch kranke Menschen. Statt regelmäßig mühsam Proben abzugeben, indem man in einen Becher macht, könnte die Toilette bestimmte Werte automatisch erfassen. Sie kann Veränderungen erkennen und die Ergebnisse an Ärzte übermitteln. Gesundheitscheck im vorbeigehen quasi … wobei, eher im Sitzen.

Forscher gehen jetzt sogar noch einen Schritt weiter. Smarte Toiletten könnten ihre Benutzer automatisch erkennen, damit die Messwerte auch in der richtigen Patientenakte landen. Fingerabdrucksensor am Spülknopf wäre eine Möglichkeit. Gesichtserkennung im Spiegel. Stimmerkennung beim erlösenden „Aaaaaah, tut das gut.“ Wissenschaftler der Stanford University haben da sogar noch einen draufgesetzt (Wortspiel). Sie haben ein System entwickelt, das Nutzer anhand charakteristischer Merkmale ihres Hinterteils identifizieren kann. Vereinfacht gesagt: Gesichtserkennung, nur eine Etage tiefer mit den anderen Backen. Ein Benutzerprofil quasi, um ein weiteres Wortspiel zu bringen.

Und damit sitzen wir mitten im Datenschutzproblem. Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten Informationen überhaupt. Eine Toilette könnte theoretisch einiges darüber erfahren, was ihr Besitzer vielleicht noch gar nicht weiß. Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder andere körperliche Veränderungen könnten sich in Ausscheidungen zeigen. Werden solche Daten gespeichert, mit Benutzerprofilen verbunden und über das Internet übertragen, entsteht eine Datenbank, bei der selbst Google neidisch wird.

Und überhaupt: Wer bekommt Zugriff darauf? Der Arzt? Die Krankenkasse? Der Arbeitgeber? Oder gar der Hersteller der Toilette? Sein Cloudbetreiber? Und wie lange werden die Daten gespeichert? Ein geklautes Passwort ist ärgerlich, aber man kann es ändern. Eine gehackte Krankengeschichte ist schwieriger. Und seinen digitalen Hintern kann man schlecht zurücksetzen. Sie verstehen? … Hintern … setzen. Noch ein Wortspiel.

Das alles zeigt, wie aussagekräftig das sein kann, was wir täglich wegspülen. Und wenn selbst das Klo alles über uns weiß, ist Datenschutz endgültig für den A…. chtung! Wortspiel!

Eine Antwort auf „K.I. – Klo Intelligence “

  1. Danke für die Aufheiterung und den Schmunzler am Montag morgen!
    Seit Jahren lesen ich den Newsletter, heute kommentiere ich das erste Mal. Der Artikel wars einfach wert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*