Die Zwei-Faktor-Falle

Nachts um 00:03 Uhr vibrierte mein Handy. Amazon schickte mir einen Sicherheitscode für die Zwei-Faktor-Authentifizierung, obwohl ich mich gar nicht anmeldete. Das kann passieren. Vielleicht vertippt sich jemand bei seiner E-Mail-Adresse. Oder vielleicht versucht ein Angreifer sein Glück. Dafür gibt es die zweite Sicherheitsstufe ja schließlich. Um 00:06 Uhr der nächste Code. Um 00:09 Uhr wieder einer. Dann noch einer. Und noch einer. Insgesamt sieben Stück zwischen 00:03 Uhr und 00:25 Uhr. Irgendjemand wollte offenbar dringend in mein Amazon-Konto. Nun könnte man sagen: Alles gut. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung hat ihren Job gemacht. Ohne den zusätzlichen Code kommt niemand rein. Genau das weiterlesen

Amtlich falsch

Die kleine Romy ist erst wenige Monate alt und hat schon Bekanntschaft mit einem der mächtigsten Naturgesetze der Digitalisierung gemacht: Hat ein Fehler es einmal ins System geschafft, vermehrt er sich schneller als Kaninchen im Frühjahr. Bei ihrer Geburt im französischen Département Ardennes passierte es. Irgendwo zwischen Kreißsaal, Standesamt und Datenbank wurde aus Romy ein Junge. Nicht körperlich. Nur digital. Ein falscher Eintrag, ein vertauschtes Auswahlfeld, ein unachtsamer Klick – was auch immer es war. Irgendjemand im Krankenhaus hat das falsche Feld ausgewählt und so wurde auf der Geburtsurkunde aus einer Romy kurzerhand ein Romy. Der Fehler wanderte in Windeseile weiterlesen

(K) steht für Kuh-pyright

Vor ein paar Tagen bekam ich Post von einem Anwalt. Also nicht so richtige Post mit Papier, Siegel und dem Duft von Einschüchterung, sondern eine E-Mail. Das heutige Äquivalent zum Drohbrief. Inhalt: Ich hätte widerrechtlich das Foto einer Kuh auf meiner Webseite in einem Blogeintrag verwendet. Das Bild gehöre angeblich seinem Mandanten. Das sei ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht und überhaupt stünde der Abgrund der juristischen Vernichtung bereits mit einem Bein vor meiner Haustür. Nun dachte ich natürlich sofort, dass ich eine Strafe zahlen müsste. Oder eine Unterlassungserklärung unterschreiben solle. Oder mich auf den Boden werfen und laut »Muh« weiterlesen

Klau mich, wenn Du kannst

Man muss Apple ja lassen, dass sie Probleme gerne dort lösen, wo andere sie gar nicht erst suchen. Während sich Sicherheitsforscher mit Kryptografie, Biometrie und Künstlicher Intelligenz beschäftigen, schaut Cupertino offenbar auf den Gyrosensor und denkt sich: »Vielleicht verrät uns das Ding ja, ob gerade jemand beklaut wird.« Genau daran arbeitet Apple angeblich. Das iPhone soll künftig erkennen, wenn es seinem Besitzer aus der Hand gerissen wird, und sich sofort sperren. Der Trick dabei: Beschleunigungssensor, Gyroskop und sogar die Entfernung zur Apple Watch sollen gemeinsam beurteilen, ob gerade ein Diebstahl stattfindet. Das Smartphone wird also zum digitalen Bewegungsanalytiker. Oder anders weiterlesen

PhotoShop war erst der Anfang

Seit Jahrhunderten versuchen Menschen herauszufinden, ob ein Bild echt ist. Früher hat man dazu Gemälde analysiert, Pinselstriche untersucht und Kunsthistoriker mit Hornbrille gefragt. Heute schaut man sich ein Foto vom Papst im weißen Balenciaga-Daunenmantel an und denkt sich nur noch: »Ja gut, könnte so gewesen sein.« Willkommen im Zeitalter der KI-Bilder. In einer Welt, in der Donald Trump plötzlich friedlich ein Buch liest oder Olaf Scholz mit emotionsgeladener Mimik auftritt, braucht es dringend eine Art digitalen Herkunftsnachweis. Und genau hier kommt SynthID ins Spiel. SynthID ist eine Technik von Google DeepMind, die KI-generierten Bildern unsichtbare Wasserzeichen verpasst. Unsichtbar bedeutet dabei weiterlesen