Promille und Programmierfehler

In Moskau kann man ungestört über Autobahnen rasen. Dafür heißt es dort gerade InterNJET und NJETflix, denn die Behörden haben das (mobile) Internet abgestellt. Mit Absicht, aus Angst vor ukrainischen Drohnen. In den USA ist es umgekehrt. Da funktioniert zwar die Datenautobahn. Dafür läuft‘s dort gerade nicht so richtig auf dem Highway. Zumindest nicht für die Boliden von ehemaligen Promillefahrern. Früher war ein Auto dann kaputt, wenn der Keilriemen riss, die Batterie schlappmachte oder man beim Tanken aus Versehen Diesel in den Benziner kippte. Heute reicht offenbar ein Hackerangriff auf einen Server irgendwo im Nirgendwo, und schon steht der Wagen weiterlesen

Die Wiederentdeckung der Haltestelle

Uber war mal der Rockstar unter den Verkehrsunternehmen. Laut, frech, chronisch defizitär und fest davon überzeugt, dass eine jahrzehntealte Branche nur darauf gewartet hat, von ein paar Hoodie-Trägern mit App-Idee und Investorengeld vor den Bus geworfen zu werden. Das Taxi? Ein Fossil. Die Taxizentrale? Steinzeit mit Funkgerät. Ortskunde? Bitte, wir haben GPS. Tarifordnung? Wie süß. Uber kam nicht, um mitzuspielen. Uber kam, um dem Taxigewerbe die Tür einzutreten, den Teppich anzuzünden und anschließend »Innovation« in den Rauch zu blasen. Und das hat bekanntlich ein kleines Vermögen gekostet. Milliarden wurden verbrannt, als hätte jemand Venture Capital mit Fernwärme verwechselt. Fahrer wurden weiterlesen

Auffällig unauffällig

Früher nannte man es »Spazierengehen«. Heute heißt es »Umhergehen ohne Anlass«. Und wenn man Pech hat, meldet das künftig eine Kamera automatisch an die Polizei – per Algorithmus, in Echtzeit. Willkommen in Berlin, wo nicht mehr nur Taschendiebe und Dealer auffallen sollen, sondern auch Menschen, die… nun ja… einfach nur da sind. Der Plan der Berliner Sicherheitsbehörden ist im Grunde simpel: Kameras beobachten Plätze wie das Rote Rathaus, das Abgeordnetenhaus oder bekannte Brennpunkte wie das Kottbusser Tor. Die Bilder landen nicht nur auf irgendeiner Festplatte, sondern laufen direkt durch eine Künstliche Intelligenz. Die soll das machen, was KI besonders gut weiterlesen

Content mit Crema

Früher war ein Euro für einen Espresso kein Geschäftsmodell, sondern ein Versprechen. Man trat in Italien an den Tresen, bestellte einen »Caffè al banco«, legte eine Münze auf die Marmorplatte, trank im Stehen und diskutierte noch schnell über Fußball oder Politik. Ein Euro, zwei Schluck, drei Gesten – fertig war ein Stück Alltagskultur. Kein Login, kein QR-Code, kein »Bitte akzeptieren Sie unsere Cookie-Richtlinie, bevor Sie schlürfen«. Und nun kommt Cotti Coffee aus China nach Europa und räumt den Kaffee-Markt von hinten auf: Cappuccino und Americano unter 2 Euro, Espresso für 99 Cent. Preislich liegt Peking also dort, wo Neapel seit weiterlesen

IBES 2026: mit 40.000€ garantiert zum Dschungelkönig

Ich habe mir mal den Aluhut aufgesetzt und ausgerechnet, dass man sich mit 40.184€ garantiert die Dschungelkrone bei IBES 2026 kaufen konnte. Und auch, dass jemand für den Sieg von Gil Ofarim 347.867€ hingelegt haben müsste, WENN die Vorwürfe stimmen würden. Alle Zahlen, Daten und Fakten dazu hier. Die Idee Das Dschungelcamp 2026 war von Verschwörungstheorien begleitet. Der Sieg von Gil Ofarim kann nicht mit rechten Dingen abgelaufen sein – so einige Posts in sozialen Medien. Kann das sein? Kann man sich die Dschungelkrone kaufen?  Was kostet das? Was braucht man dazu? Ist alles verfügbar? Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen getroffen werden, weiterlesen

Ein Smartphone auf vier Rädern

Im polnischen Verteidigungsministerium hat man sich entschieden, den modernen Spion auf vier Rädern etwas rigoroser zu betrachten: Fahrzeuge, die so viele Kameras und Sensoren haben wie ein „Best-Of-Netflix-Set“, dürfen nicht mehr einfach auf Militärgelände einfahren – insbesondere chinesische Elektroautos stehen im Fokus dieser neuen Sicherheitslinie. Sie sind meist mit 360-Grad-Kameras und Mikrofonen ausgestattet. Dort, wo früher militärisches Großgerät rangierte und Feldpost in Empfang genommen wurde, stoppt jetzt der Schranken-Wächter die „rollende Smartphones“ und winkt sie ab, bevor sie versehentlich Layouts geheimer Gebäudestrukturen oder Kolonnenbewegungen einsammeln könnten. Dass das Risiko allgegenwärtig scheint, erkennt man daran, wie sehr sich diese Idee quer weiterlesen