Main-Stream Musik

Nur Boybands machen schlimmere Musik als Alles bei Streaming Diensten 
wie Apple Music oder Spotify - so ähnlich scheint das zumindest 
Neil Young zu sehen.

Als Jugendlicher saß ich gerne mit dem Kassettenrekorder vor dem Radio, um die zehn beliebtesten Songs der Woche auf Magnetband zu bannen. Regelmäßig schrie ich dabei laute Flüche durch die Wohnung, wenn der Moderator am Anfang oder Ende des Liedes mal wieder hineinquatschte. Knapp 25 Lieder bekam ich auf die zwei Seiten einer Kassette und Dank meines Walkman hatte ich die immer mit dabei.

Heute trage ich (virtuell zumindest) eine Unmenge mehr Lieder mit mir rum. Digital. Online. Per Stream. Als Abo. Je nach Anbieter für um die 10€ pro Monat. Spotify bietet mir so 30 Millionen, Apple Music gar 35 Millionen Songs an. Eine unvorstellbare Anzahl. Jederzeit verfügbar und immer abrufbar. Vor allen Dingen aber: ohne reingequatschte Geisterfahrer-Meldung am Ende eines Liedes.

Wer glaubt, dass Streaming Dienste nur funktionieren, wenn man online ist, der täuscht sich. Es ist nicht notwendig, sein ganzes Online-Datenvolumen zu verbrauchen, nur um im Bus seiner Lieblingsband zu lauschen. Das Prinzip dabei ist simpel. Man kann seine Lieblingslieder einfach runterladen. Je nach Anbieter lassen sich bis zu 100.000 Songs offline speichern. Das reicht – grob gerechnet – um fast ein Jahr Tag und Nacht Musik zu hören, ohne dass ein Song auch nur ein Mal zweimal gespielt wird.

Wer jetzt auf die Idee kommt, sich bei Apple Music oder Spotify eine gratis Testmitgliedschaft für einen Monat zu besorgen – um dann ganz schnell ganz viel runter zu laden, den muss ich enttäuschen. Mittels DRM (Digital Rights Management) werden die lokalen Musikdateien mit einem Verfallsdatum versehen. Läuft der „Testmonat“ ab, wird das Abo gekündigt oder geht man mit dem Gerät für mehr als 30 Tage nicht online, dann lassen sich die Musikdateien nicht mehr abspielen. Oder sie werden automatisch gelöscht und verschwinden so vom Gerät.

Neil Young 2010Derzeit verschwinden übrigens auch andere Musikdateien. Nicht nur vom Gerät, sondern gänzlich aus Streamingdiensten. Neil Young (69) lässt dort alle seine Songs entfernen. Er findet, dass seine „Musik, von der schlechtesten Qualität in der Rundfunkgeschichte entwertet wird“. Das kann den meisten Boygroups zumindest nicht passieren – die sind so oder so schlecht.


Hintergrundinfo: Neil Young ist Teilhaber an Pono. Das ist ein Musikplayer, der – im Gegensatz zu mp3 und AAC – verlustfrei komprimierte Musikdateien abspielt. Kein Wunder also, dass er normale Streaming Dienste mit Bitraten zwischen 256 und 320 kbit als mangelhaft kritisiert – auch wenn unklar ist, ob wir uns den tollen Klang der Hi-Res-Musik von Pono nur einbilden.

Und noch was: Auf den frisch vorgestellten, brandneuen Apple Geräten iPod nano und iPod Shuffle ist es absurderweise nicht möglich, Apple Music offline zu hören. Apple sagt nicht warum, aber höchstwahrscheinlich deshalb, weil die Geräte nicht in der Lage sind zu prüfen, ob das Abo noch läuft oder nicht.

Bildnachweis Neil Young 2010: Larry Philpot, www.soundstagephotography.com

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