Endlich auch Online: Mehr bezahlen, weniger bekommen

Premiumzugänge kennt man ja von bild.de oder von wetter.de. Viele Infos sind kostenlos, aber wer bezahlt, bekommt mehr: die News mit den heißen Überschriften oder das Wetterradar. Dieses Plus ist wichtig. Es reicht einfach nicht mehr aus, die bezahlten Seiten werbefrei anzubieten. Bis jetzt zumindest!

golem.de, ein Web-Portal für IT-Nachrichten, macht nämlich genau das. Wer dort bezahlt, bekommt keinen Extra-Inhalt, nur die Werbung wird ausgeblendet. Und trotzdem ist die Idee irgendwie neu, denn als zahlender Abonnent bekommt man genaugenommen sogar noch weniger als die anderen! Deswegen heißt der kostenpflichtige Dienst auch nicht „golem Plus“, sondern „golem Pur“.

Aber der Reihe nach: In der Ankündigung seines kostenpflichtigen Dienstes erklärt das Portal, dass die Leser der Bitte, den Werbeblocker auszuschalten, nur zögernd nachkamen. Ein Problem, welches ich am 23.06.2014 schon in diesem Blog beschrieben habe. Das Portal braucht die Werbeeinnahmen, die Leser jedoch wollen keine Werbung ansehen. Daher musste man bei golem eine alternative Einnahmequelle entwickeln. Ein Premiumpaket wäre eine Idee, doch dabei gibt es ein Problem: Würde golem beginnen, ausgewählte Artikel nur noch gegen Bezahlung zu zeigen, würden viele Leser abspringen und andere kostenfreie Portale vorziehen. Das können sich daher nur die wirklich Großen leisten, bild.de zum Beispiel.

Also dachte man sich: Weniger ist mehr. „golem pur“ wird daher nicht nur auf Werbung verzichten, es wird auch keine Tracker, kein Canvas Fingerprinting, kein Google Analytics und auch sonst keinerlei Profilbildungstechniken enthalten. Infos ohne Nebenwirkungen und Inhalte ohne Zusatzstoffe. Ein Verkaufsargument, das nicht erst seit Öko-Zigaretten funktioniert. Ich find’s jedenfalls großartig und warte nun auf die Gründung eines Aboservices, der mir das für alle großen Portale anbietet.

Ach ja, wenn es unter Otto von Bismarck schon Internet gegeben hätte … den Premiumzugang zu wetter.de hätte er garantiert untersagt. Er lehnte ernsthaft die Gründung eines Deutschen Wetterdienstes ab, weil „ein preussischer Beamter sich niemals irrt“. Er hatte Angst vor falschen Wettervorhersagen … Und das kann wetter.de selbst im Super-Duper-Premium-Plus-Paket nicht ausschließen.

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