Falls Ihre Augen nach acht Stunden Excel-Tetris brennen und Sie den Monitor anschauen wie ein Goldfisch die Mikrowelle, dann könnten Sie an Bixonimania leiden. Eine laut chatGPT & Co. seltene, neuro-okulare Störung der Augen. Na dann herzlichen Glückwunsch: Sie sind offiziell Patient im größten Selbstbedienungsladen der modernen Informationsgesellschaft. Öffnungszeiten: rund um die Uhr. Fachpersonal: Eine KI und vielleicht auch ein betrunkener Wikipedia-Autor.
Die Geschichte hinter der Krankheit „Bixonimania“ klingt wie ein verspäteter Aprilscherz aus der Hölle. Eine schwedische Forscherin erfand die Diagnose kurzerhand selbst, schrieb dazu ein paar ausgedachte Fachartikel und streute sogar Hinweise auf die Fälschung ein, die ungefähr so subtil sind wie ein Einbrecher mit Presslufthammer. So steht relativ am Anfang in einem Halbsatz: „Dieser Artikel ist erfunden.“ Der angebliche Forscher hieß „Lazljiv Izgubljenovic“, arbeitete an einer Universität, die nicht existiert, und bedankt sich zudem bei Figuren aus Star Trek und den Simpsons für die Unterstützung bei seiner Publikation.
Trotzdem sprangen KI-Chatbots begeistert auf die Veröffentlichung an, wie LinkedIn-Coaches auf das Wort „Disruption“. So erklärten die KIs chatGPT und Perplexity ernsthaft, Bixonimania sei eine seltene Erkrankung durch blaues Bildschirmlicht. Es wurden sogar statistische Häufigkeiten ausgedacht und halluziniert. Willkommen im digitalen Ärztehaus ohne Approbation.
Das eigentlich Faszinierende daran ist nicht einmal die KI. Die macht letztlich nur das, was viele Menschen seit Jahren tun: Selbstbewusst Unsinn wiederholen. Die wahre Leistung bestand darin, wie schnell aus einer erfundenen Diagnose scheinbar belastbares Wissen wurde. Irgendwo kopiert jemand ungeprüft Literaturangaben, irgendwo anders fasst eine KI diese Angaben zusammen, dann zitiert ein Dritter die Zusammenfassung und plötzlich steht die Fantasiekrankheit da wie ein neues Windows-Feature: Keiner wollte sie, aber sie ist halt jetzt integriert.
Man kennt dieses Prinzip aus Unternehmen. Dort sitzt seit Jahren mindestens ein Mitarbeiter, der irgendwann einmal in einem Meeting behauptet hat, der Drucker müsse jeden Freitag neu gestartet werden, „wegen des Zwischenspeichers“. Niemand weiß, was das bedeutet. Niemand hinterfragt es. Aber freitags pilgern Menschen ehrfürchtig zum Drucker wie mittelalterliche Mönche zur Reliquie. So funktionieren auch KI-Halluzinationen: Wiederholung ersetzt Wahrheit. Und sobald genügend Leute nicken, wird selbst kompletter Quatsch zur gefühlten Expertise.
Früher musste ein Scharlatan wenigstens noch einen weißen Kittel tragen. Heute reicht ein Wikipedia-Artikel und der Satz: „Basierend auf aktuellen Erkenntnissen …“ Genau so entstehen digitale Wahrheiten: Einer denkt sich Quatsch aus, die KI formuliert ihn hübscher, drei Leute zitieren ihn – fertig. In meiner Jugend nannte man sowas Kettenbrief. Heute sitzt irgendwo ein Mensch mit brennenden Augen und Handy in der Hand in einem Wartezimmer und hofft, dass der Doktor Bixonimania heilen kann.
waaas ? … das mit dem Zwischenspeicher stimmt gar nicht ??? – oooh ;)