Bleib doch gleich ganz zu Hause

Seit Beginn der Pandemie boomen HomeOffice und HomeSchooling, also das Arbeiten und Lernen von zu Hause.

Beim HomeSchooling hakt es immer noch. Die Lernplattformen sind selbst nach fast einem Jahr noch instabil. Gerade morgens gegen 8 Uhr, wenn sich überraschenderweise mehrere Schüler:innen gleichzeitig einloggen (möchten). Die Kids haben die digitale Lernwelt hingegen rasend schnell adaptiert. Selbst beim Mobbing! Da wird per Handy die Mathe-Videokonferenz abgefilmt. Und wenn der Kevin dann mal wieder in der Nase bohrt und das dort gefundene isst, kursiert die Beweisaufnahme unter großem Gelächter schnell in der WhatsApp Gruppe. Ebenso Lehrer, die in einem ungünstigen Moment gescreenshotet werden und dann als gähnendes Meme mit halb geschlossenen Augen zur Lachnummer auf dem virtuellen Schulhof mutieren. Lehrer tun mir so richtig leid. Die können sich im Lehrerzimmer jetzt ja nicht mal mehr in den Arm nehmen und trösten. Ein (britischer) Lehrer hat letztens auf Twitter sein Leid sogar in Liedform geklagt. Scheiß Homeschooling, so sang er da, er vermisse es total, Kinder mal wieder so richtig anzuschreien.

Als von der Politik das HomeOffice zur Kontaktvermeidung propagiert wurde, begannen einige Arbeitgeber teils überhastet jeden mit Laptops auszustatten und nach Hause zu schicken. Selbst die Nutzung privater PCs wurde oftmals gestattet und mangels verfügbarer Hardware und langen Lieferzeiten teilweise sogar erbeten. Aus Sicht der IT-Sicherheit ist das nicht sooo der Hit. Private PCs sind oft nicht so geschützt wie dienstliche Rechner. Neben Excel und Word finden sich halt oft auch dutzende Browser-Extensions und Games auf den Rechnern. Und die werden in vielen Fällen halt nicht von den berufstätigen Eltern gezockt. Und wer weiß, was die Kids auf den Kisten noch so installiert haben.

Mittlerweile haben sich aber viele Menschen mit der Situation arrangiert. Auch Arbeitgeber sehen es gar nicht mehr so negativ, dass ihre Mitarbeiter nicht im Büro sitzen. Ob das aber alles wirklich so gut ist … ich weiß ja nicht. Wäre ich Manager mit fetter Bonusklausel bei Gewinnsteigerung für die Aktionäre, dann hätte ich da eine andere Sicht auf die Dinge. Wenn der Laden nämlich läuft, obwohl meine Mitarbeiter zu Hause sind, dann müssten sie wegen mir überhaupt nicht mehr in die Firma kommen. Aus dem HomeOffice arbeiten kann nämlich auch Herr Raj Kumar-Singh. Der macht das sogar für einen Bruchteil des Gehalts und ist obendrein froh, wenn er bei der Hitze in Kalkutta gar nicht erst aus seinem Haus muss.

2 Kommentare zu “Bleib doch gleich ganz zu Hause

  1. Also der Schulserver hier schlägt sich ganz wacker. 800 User, die morgens um 08:00 gleichzeitig auf die Nextcloud einschlagen, bringen den zwar gut auf Trab, aber zum Komplettausfall hat es noch nicht gereicht.
    So quasi nebenbei stellt er noch E-Mail mit Webmail für die 800 User bereit.

  2. Es ist ein Irrglaube, dass ein Geschäftsbetrieb remote im Home-Office genauso effizient läuft wie vor-Ort.

    Natürlich lassen sich etablierte Abläufe auch mit Hilfe der digitalen Hilfsmittel auch im Home-Office durchführen, aber es geht reichlich Kommunikation verloren, die sonst so „nebenbei“ stattfindet, z.B. in der Kaffeeküche oder beim Mittagessen, oder wenn man bei einem Problem mal „zwischendurch“ den Kollegen am Nachbartisch fragen kann. Um diesen „nebenbei-Austausch“ nach zu holen, muss man mit den betreffenden Personen Online-Meetings abhalten, die dann von der Arbeitszeit für andere Themen fehlt. Oder man recherchiert über 1h oder mehr nach einer Problemlösung, die besagter Kollege vom Nachbartisch gewusst hätte …

    Hinzu kommen die Abstimmungsprobleme für die Projekte mit Änderungsbedarf … ein Brainstorming, wenn alle betroffenen vor einer Tafel stehen und „mitmalen“ können, ist doch viel einfacher und schneller als Abstimmung, wo immer nur einer Schreiben und zeichnen kann … außerdem ist spontanes Zeichnen per Maus etwas schwieriger als mit Folien-Stift an einem Whiteboard.

    Mir ist schon klar, dass die Manager auf solche Gedanken kommen wie “Firma ganz ohne Office” … Bis zu einer gewissen Größenordnung kann das auch funktionieren, aber für größere Umfänge oder komplexere Produkte wird das sehr schwierig und bedarf einer IT-Unterstützung, die weit über E-Mail und MS-Teams hinausgeht.

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