Ist das Dein Lied?

Das Thema Urheberrechtsreform dürfte die meisten von Ihnen langweilen. Das ist schade, denn es bietet nicht nur Zündstoff wie in einem James Bond Film und eine Lobbyismus-Lehrstunde. Googlen Sie einfach mal nach dem EU-Politiker Axel Voss. Extrem spannend ist zudem die Möglichkeit für Behörden, sich der Überwachung durch Journalisten zu entziehen. Na? Jetzt interessiert?

Das Urheberrecht sollte und musste reformiert werden. In Zeiten digitaler Medien, in denen Nachrichten, Bilder, Musik und Videos in sekundenschnelle gepostet und weiterverbreitet werden, war das nötig. Schließlich sollen die, die Nachrichtenmeldungen, ein Bild, ein Musikstück oder ein Video erzeugt haben, auch daran verdienen und die unbezahlte Nutzung durch Hinz und Kunz unterbunden werden.

Die EU hat deshalb im März 2019 eine Reform des Urheberrechts beschlossen. Es verpflichtet Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube dazu, geschützte Werke gar nicht erst anzunehmen, wenn der Uploader die Rechte am Werk nicht besitzt. Und genau das ist das Problem. Die Plattform kann nämlich gar nicht wissen, ob der Uploader eine Lizenz erworben hat oder nicht. Zudem gibt es dutzende Ausnahmen, die gar keine Lizenz benötigen. Satire, kurze Zitate oder wenn in einem Video ein Musikstück nur im Hintergrund läuft und gar nicht den primären Inhalt des Videos darstellt. Weil YouTube & Co. aber haften und Strafen zahlen müssten, wenn sie etwas zulassen, was nicht erlaubt ist, werden sie Uploadfilter implementieren, die im Zweifel lieber einmal zu viel blockieren, als einmal zu wenig. Das haben die Kritiker unisono vorhergesagt.

Was hingegen nicht vorherzusehen war, ist die Tatsache, dass es jetzt schon Fälle gibt, in denen Behördenvertreter die Uploadfilter bewusst nutzen, um kritische Berichterstattung zu verhindern. Es gibt mehrere dokumentierte Fälle, in denen amerikanische Polizeibeamte während eines Einsatzes von kritischen Journalisten gefilmt wurden. Damit die Videos nicht im Internet landen, spielten die Beamten einfach einen aktuellen Song aus den Charts mit ihrem Handy ab, während sie gefilmt wurden. Die in den USA bereits bestehenden Uploadfilter sollten dafür sorgen, dass die Videos aus Copyrightgründen geblockt werden und gar nicht erst in den sozialen Netzen landen. Das zeigt, wie problematisch diese Uploadfilter sind. Sie behindern nämlich kritische Berichterstattung.

Fairerweise muss man aber eines anerkennen. Diese Methode ist eine fast schon geniale Idee, um zu verhindern von Paparazzis oder Aktivisten gefilmt zu werden. Mal sehen ob zur Standard-Ausrüstung von Promis und der deutschen Polizei in Kürze auch ein Ghettoblaster samt Spotify-Abo gehören.

Ein Kommentar zu “Ist das Dein Lied?

  1. Naja, wie man an Twitter und Parler sehen kann, braucht man kein Urheberrecht um unliebsame Meinungen etc. zu unterdrücken.
    Und die Größen des Internets haben dabei nichteinmal Respekt vor einem (damals noch amtierenden) US-Präsidenten.
    Man muss Trump ja nicht mögen, aber teilweise war es schon… nunja… interessant wie mit ihm umgesprungen wurde.
    Dafür dass wir es nicht mit irgend einem Möchtegern-Diktator auf einer karibischen Insel zu tun hatten, sondern mit einem US-Präsidenten, den immerhin rund die Hälfte der Amerikaner gewählt hatten…
    Da finde ich es schon ein wenig frech von Facebook, Twitter, Google etc. dem einfach den Saft abzudrehen, nur weil er Dinge sagt die ihnen nicht in den Kram passen.
    Der Trick mit dem Urheberrecht war mir bisher allerdings auch neu… ich bin gespannt wann auch die Verbrecher auf die Idee kommen, einfach jedesmal wenn sie jemanden zusammenschlagen oder anzünden laute Musik dröhnen zu lassen, um zu verhindern dass irgend ein Passant mit dem Handy da den Berichterstatter spielt…
    Dass das missbraucht werden würde, war so klar wie Kloßbrühe… jeder derauch nur für 5 Cent Grips in der Melone hat, musste schon von 5 Kilometer Entfernung sehen dass das mit der Urheberrechtsreform genau dahin führen würde… die Zensur des Internets.
    Die eine Hälfte leistet das Urheberrecht und die andere Hälfte bringt das “Netzwerkdurchsetzungsgesetz” dazu, und der Umstand dass keiner so recht weiß was tagesaktuell noch gesagt werden darf und was schon nicht mehr erlaubt ist…
    Diese beiden Mechanismen, gewürzt mit einer Portion Arroganz bei den Betreibern der Plattformen, sind die Nägel im Sarg der Freien Meinungsäußerung im Internet.
    Eigentlich wäre das Stoff für einen neuen Bond… mit “Der Morgen stirbt nie” (Tomorrow never dies) hatten wir ja schon einen Medienaren als Bondgegner, wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Internetgiganten, in Kollaboration mit einem durchgeknallten Politiker oder so…
    (Ich hoffe auf die Story hat noch niemand ein Urheberrecht… ;) )

    Grüße,
    C.Schmid

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