Hirnverbrannt

Die amerikanische Elite-Universität Stanford entwickelte ein System, mit der eine fast vollständig gelähmte Frau in der Lage ist, Worte in einen Computer zu einzugeben. Ich schreibe bewusst nicht „eintippen“, sondern „eingeben“, denn die Frau kann aufgrund ihrer Lähmung gar nicht tippen. Das eingesetzte System ist eine Weiterentwicklung von iBrain, das der geniale Astro-Physiker Stephen Hawking bereits 2012 nutzen konnte.

Dr. Philip Low teste damals an Hawking eine brandneue Methode, mit der Gehirnströme ähnlich wie bei einem EKG mittels einer Art Stirnband – also ohne implantierte Sensoren – gelesen und in ein, zwei einfache Befehle umgesetzt werden. Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wie das, was man aus den Krimis kennt, wenn der Kommissar den schwerverletzten Zeugen im Krankenhaus verhört und dieser nur mittels Blinzeln auf Ja/Nein-Fragen antworten kann.

In den letzten fünf Jahren wurde das Ganze so verfeinert und weiterentwickelt, dass die Patientin der Stanford University nun in der Lage ist, ganze acht unterschiedliche Worte zu denken und diese dann von einem Computer in Text umgewandelt werden. Ich finde das sooo toll und sooo spannend. Wir haben sooo viel Technik an Stellen, an denen sie nicht notwendig oder gar unsinnig ist. Aber hier … ich sage nur: forscht weiter ohne Unterlass! Verbessert das Leben und die Kommunikation von Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Unfall eingeschränkt sind. Macht weiter, bis ihr in der Lage seid, dass Menschen mit Handicap ihre Computer und Rollstühle durch Gedanken steuern können.

Tja, seit letztem Donnerstag denke ich anders. Da hat nämlich die Facebook Managerin Regina E. Dugan auf der hauseigenen Entwicklermesse F8 davon gesprochen, dass das Soziale Netzwerk gerne Gedanken lesen möchte. Ziel sei es, von den acht Worten, die Stanford schafft, auf ganze 100 Worte pro Minute zu kommen. Da es dafür aber noch keine verfügbaren Technologien gäbe, würden nun 60 Facebook Forscher daran arbeiten, diese zu erfinden und zu entwickeln. So sollen Menschen in der Lage sein, Nachrichten an Freunde zu schicken, ohne das Smartphone aus der Tasche zu ziehen.

Auch wenn Dugan sagte, es gehe Facebook nicht darum, wahllos Gedanken von Menschen zu lesen: ich finde, Facebook ist zusammen mit Google und der NSA die allerletzte Institution auf der ganzen Welt, die unsere Gedanken lesen können sollte. Alleine die Vorstellung, was ein soziales Netzwerk mit diesem Wissen über uns anstellen könnte, macht mir Angst. Hey Facebook. Ganz ehrlich, ihr schafft es nicht einmal, euch an lokale Gesetze zu halten und Hetzkommentare schnell und vollständig zu löschen. Bleibt raus aus unseren Gehirnen und macht mit eurem Kommerz keine Technik madig, die behinderten Menschen hilft. Wenn das wirklich kommt, wäre ich lieber gehirnamputiert, als Facebook-Mitglied.

2 Kommentare zu “Hirnverbrannt

  1. Niemand hat die Absicht Gedanken zu lesen

    Es hatte angeblich auch niemand die Absicht eine Mauer zu bauen… So What?

    „Was geht mich mein Geschwätz von Gestern an…“

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