In Russland springt derzeit so mancher Porsche nicht mehr an – und das liegt nicht an leerem Tank, sondern an leerem Empfang. Es geht um Luxus auf vier Rädern, der sich plötzlich bockig stellt wie ein pubertierender Teenager. Der Grund? Eine Alarmanlage. Genauer: ein satellitengestütztes Ortungs- und Anti-Diebstahl-System namens VTS. Wer sich jetzt denkt „Ortung, Ortung, Ortung – was soll da schon schiefgehen?“, der hat vermutlich noch nie versucht, ein Auto zu starten, das sich selbst nicht mehr finden kann.
Denn genau das passiert gerade: Die verbauten Tracking-Module können offenbar nicht mehr telefonieren – oder wollen es nicht. Und wenn das kleine schwarze Kästchen keinen Kontakt mehr zur Außenwelt bekommt, dann sagt es sich: Wenn er nicht weiß, wo er ist, dann bleibt der Porsche halt hier. Und zwar still. Still wie ein Stein. Unbeweglich wie ein Stein. Unnütz wie ein Stein.
Aktuell weiß niemand, warum das so ist. Vermutungen gibt es viele. Werkstätten berichten von genervten Kunden, deren Motoren keinen Mucks mehr machen – außer vielleicht einem leisen Piepen aus dem Alarmmodul, das sich weigert, seinen digitalen Handschlag mit der Zentrale zu vollziehen. Batterie einen Tag lang abklemmen hilft manchmal. Manchmal. Wenn nicht, hilft nur der Ausbau des Moduls. Oder der Geduld.
Je nach Nachrichtenlage sind fast alle Fahrzeugtypen des Edelautoherstellers aus Zuffenhausen betroffen. Auch wenn Porsche wegen der Sanktionen gegen Russland seit 2022 keine Neufahrzeuge dorthin mehr verkauft, sie gelangen über Drittstaaten wie Kirgistan trotzdem noch dorthin. Und dem Oligarchen ist es vermutlich egal, ob er für den Grauimport den doppelten oder dreifachen Preis aus der Portokasse nehmen muss. Der Rest der Bevölkerung könnte den Rennwagen auch bei „Normalpreisen“ nicht fahren. So, wie die Reichen in diesem Moment.
Vielleicht ist das Ganze nur ein versehentlich gezogener Stecker in einem Serverraum irgendwo zwischen Stuttgart und dem Silicon Valley. Aber vielleicht ist das Ganze auch ein absichtlich gezogener Stecker in einem Serverraum irgendwo zwischen Stuttgart und Kyjiv. Denn einige sprechen von Sabotage. Andere von Sanktionen. Und wieder andere von Pech.
Porsche selbst sagt: „Nicht unser System.“ Also typisch IT: Keiner war’s, keiner ist’s gewesen, keiner fühlt sich zuständig. Nur der Fahrer, der steht da. Vor seinem Wagen. Mit Schlüssel in der Hand. Und Zorn im Bauch. Und während der Porsche nicht startet, startet die Erkenntnis: Ein Auto ist heute mehr Computer als Karosse. Ein digitaler Hochsicherheits-Blechcontainer mit Rädern, der sich weigert, zu fahren, wenn sein Modul Heimweh hat.
Früher klaute man Autos mit einem Schraubenzieher – heute reicht ein Bug im Backend, und die Karre bewegt sich gar nicht mehr. Da wird das hochtechnologie-Monster zum Stein. Und wer sich jetzt fragt, was der Unterschied zwischen einem Porsche in Russland und einem Stein ist – nun: Der Stein kostet weniger und kann rollen.
Bildnachweis: chatGPT