Teststreifen

Dass qwertz, password und 123(456) die meistgewählten Passwörter sind, haben schon mehrere Studien gezeigt. Dass 1234, 1111 und 0000 – bald gefolgt vom eigenen Geburtstag – die am häufigsten gewählten PINs sind belegen andere Studien.

Im Frühling hatte ich im Rahmen eines Vermisstenfalls ein Handy ohne PIN und ohne Passwortschutz vor mir. Den Angehörigen wurde es von der Polizei mit den Worten zurückgegeben, dass man da nicht rein komme. Es war nämlich geschützt – und zwar mit einem Wischcode, bei dem man mit dem Finger auf dem Display das richtige Muster malen muss, um ins System zu kommen. Dummerweise fand sich im Internet noch keine einzige Studie der häufigsten Wischmuster.

Wischmuster WischcodeMitte August – die vermisste Person war längst wohlbehalten wieder aufgetaucht – habe ich dann mit der Polizei Niedersachsen einfach selbst eine kleine Wischmuster-Studie durchgeführt. Ich wollte wissen, welche Wischgeste das 08/15-Muster ist, quasi das 1234 der PINs. Nachdem 786 User in unsere Erfassungs-App wischten, stand das Ergebnis* fest: es sind einfache geometrische Figuren. Spitzenreiter ist das Z.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass sich die norwegische Studentin Marte Løge bereits seit einem Jahr im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Uni Trondheim mit Wischmustern beschäftigt. Sie hat sogar 4.000 Stück davon ausgewertet und ihre Ergebnisse bestätigen unsere: Es gibt unsichere Muster, weil sie einfach von zu vielen Menschen genutzt werden und vorhersehbar sind.

Diese Kenntnis hätte mir in dem zurückliegenden Vermisstenfall sicherlich geholfen. Damals musste aber ein anderer Trick her. Und zwar: Wer Angst hat, sein eigenes Wischmuster zu vergessen, kann eine Zugangsalternative angeben und das war hier ein ordinärer Zahlencode. Dieser war recht schnell geknackt, das Handy entsperrt, weil es ein Geburtsdatum war – genau wie es die Studie der häufigsten PIN-Codes vorhergesagt hat. Das ist schon toll, da befragt man ein paar Leute, wertet die Ergebnisse aus und schon kommt man in viele Handys rein.

Allerdings darf man nicht jeder Studie trauen, denn die Ergebnisse lassen sich auch aus dem Zusammenhang reißen. Letztens sagte einer im Radio, dass „eine Studie belege, dass Menschen, die häufig Fast Food essen, zu Depressionen neigen“. Tatsächlich sagt die Studie aber nur aus, dass sich Menschen mit Depressionen häufig schlechter ernähren – aber nicht, was der Auslöser für ihre Krankheit ist. Das hätte ja sonst auch bedeutet, dass alle Systemadministratoren und Programmierer eine Neigung zur Depression haben müssten.


* die genaue Auswertung der Wischmuster-Daten werde ich zusammen mit den Kollegen von der Polizei Niedersachsen in einem Artikel der computerBILD veröffentlichen und dies dann hier bekannt geben.

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