Nur zu unserem Schutz!

Immer wieder mal berichte ich an dieser Stelle von Patenten, mit denen Firmen die Welt – oder ihre Umsätze – verbessern möchten. Erst im April zum Beispiel habe ich über eine Erfindung von Amazon berichtet. Der Versandriese hat sich für seine digitale Assistentin „Alexa“ die Möglichkeit schützen lassen, „Schlüsselbegriffe“ wie „ich mag“ mitzuhören und dann passende Werbung auszuspielen. Vielleicht erinnern Sie sich. So beängstigend das klingt, wer sich Alexa ins Wohnzimmer stellt, weiß, dass das Gerät permanent zuhört. Muss es ja auch, da es sonst den Startbefehl „Alexa“ nicht mitbekäme. Hinterhältig ist das also nicht.

Unsere Freunde von Facebook hingegen, gehen nun einen Schritt weiter. Wir erinnern uns an die Anhörungen Mark Zuckerbergs vor der amerikanischen Regierung und der EU. Wie ein Häufchen Elend saß er da und beteuerte, dass sein Unternehmen doch nur Gutes tun wolle. Der Menschheit Nutzen bringen und wie Leid es ihm doch tue, dass sein Unternehmen ach so viele Daten mit bösen Menschen geteilt hat. Bessern wolle man sich – so seine Aussage. Dafür haben sie sogar ganzseitige Anzeigen in zeitungen geschaltet. Aber jetzt – Hurra! – jetzt macht Facebook Ernst! Sie retten die Welt vor den Bösen Datendieben.

Erst vor wenigen Tagen, am 14.Juni dieses Jahres, hat Facebook ein Patent eingereicht. Unter der Nummer US20180167677 wird dort beschrieben, wie mit einem für Menschen unhörbaren Signal heimlich das Mikrofon unserer Handys angeschaltet werden kann. Dieses Signal kann über das Radio oder auch in TV- bzw. Kino-Filmen ausgestrahlt werden. Dann kann man mitlauschen und feststellen, wer da im Hintergrund ist. Und diese Informationen kann dann vielfältig genutzt werden. Für Werbung, für Profilerstellung oder oder oder.

Falls Sie sich jetzt Fragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, weil das ja nichts Gutes ist, dann kann ich Sie beruhigen. Die Webseite „mashable“ hat bei Facebook nachgegefragt, warum sie ein derart hinterhältiges, fieses Verfahren patentieren lassen. Ob sie vorhaben, uns heimlich zu belauschen? Die Antwort könnte beruhigender nicht sein. Allen Lo – er ist Facebooks Vizepräsident und Deputy General Counsel – sagte sinngemäß: „Natürlich nicht. Es sei normal, Technologien zu patentieren, um Aggressionen anderer Firmen zu unterbinden.“

Ist das nicht toll? Facebook patentiert böse Technologien, damit sie nicht von Anderen gegen uns eingesetzt werden. Das ist sooo nett. Vielen Dank, Facebook. Ich hoffe, dass Euch noch ganz viel Böses einfällt, dass ihr dann zu unserem Schutz patentieren könnt. Brennende Akkus zum Beispiel. Ach ne, davor wurden wir ja schon von jemand anderem gerettet.


Bildnachweis: Twitter – Originalquelle unbekannt

4 Kommentare zu “Nur zu unserem Schutz!

  1. Es sind nicht nur Alexa und Siri, die mithorchen, sondern auch mein Android-Smartphone. In Gesprächen passiert es mir manchmal, dass ich „ok“ im Sinne von „ich habe verstanden“ und Android 8.1 schreibt mit Google-Unterstützung fleißig mit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Spracherkennung funktioniert. Wichtig ist, dass wie oben beschrieben, dass Telefon oder Alexa immer mithören, auch ohne das Startwort.
    Ob ich mir besser ein „Seniorenhandy“ mit dem man nur telefonieren kann, zulegen sollte?

    • Noch ist die Spracherkennung nicht in das letzte Dorf vorgedrungen. Ich komme aus München und rede noch ausschließlich Dialekt (anderes kann ich nicht, bin nicht sprachbegabt ..). Mehrmals meldete sich bereits mein Handy aus der Jackentasche und Google meinte „Ich kann Sie nicht verstehen. Bitte wiederholen Sie.“ Was will Google von mir, wenn ich das Handy gar nicht aktiv benutze?
      Das mit dem Seniorenhandy finde ich nicht soo falsch.

  2. Moin Tobi,

    da ist ein Vereinfachungsfehler: Das Signal schaltet nicht das Mikro ein (ein ausgeschaltetes Mikro kann kein Signal erkennen), sondern triggert eine auf dem Gerät laufende App jetzt die Umgebung aufzuzeichnen. Die App hält also das Mikro ständig aktiv, so wie es der Google Assistent und Siri bereits jetzt machen, sonst könnten sie nämlich nicht aufs Stichwort reagieren.

    Neu ist das aber nun auch wieder nicht. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Amazon das bereits beim Superbowl in den USA genutzt. Nur mit dem Ziel Alexa geziehlt abzuschalten: Amazon hat nämlich Spots geschaltet, die die Funktionsweise von Alexa zeigen, und damit sich die Geschichte mit dem Puppenhaus nicht wiederholt, wurde zu Beginn und Ende der Spots ein Signal übermittelt, das Alexas Spracherkennung für den Zeitraum des Spots unterbrochen hat.

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