Filter sind nur was für den Kaffee

Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie stehen an der Supermarktkasse, legen Milch, Eier und Butter auf das Band und wenn Sie dran sind, reichen Sie der Kassiererin einen 10 Euro Schein. Anstatt Ihnen aber das Wechselgeld zu geben, werden Sie gefragt, wo Sie den Zehner herhaben. Ob der eventuell geklaut ist oder ob Sie den auch wirklich ehrlich verdient und versteuert haben. Vermutlich werden Sie „Ja“ sagen, natürlich haben Sie das. Der freundlichen Dame hinter der Kasse wird das aber nicht genügen. Sie will Beweise haben und checkt erst einmal die Seriennummer Ihres 10€-Scheins in irgendwelchen Listen. Listen mit Seriennummern. Seriennummern von Geldscheinen, die irgendwie mal was mit Schwarzgeld, Falschgeld, gestohlenem Geld und auch Lösegeld zu tun hatten. Zwar findet sie nichts, aber weil Sie dem hinzugerufenen Marktleiter Ihren Lohnzettel gerade nicht vorlegen können, um die Herkunft des Scheins zweifelsfrei zu belegen, lehnt man ihn letztlich ab. Heute gibt’s keine Milch, Eier und auch keine Butter. „Denn falls mit dem Schein etwas nicht stimmt, dann sind wir dran!“ sagt der Marktleiter.

Was hier so absurd klingt, wird gerade im Internet Wirklichkeit. Uploadfilter nennt sich das Ganze und unsere EU Parlamentarier stimmen dazu in den nächsten Tagen als Teil des (wirklich renovierungsbedürftigen) Urheberrechts ab. Geht aber das, was ihnen vom EU Rechtsausschuss zur Abstimmung vorgelegt wurde, 1:1 durch, dann ist das das Ende des freien Internets.

Alle Plattformen, die hochgeladene Inhalte teilen – und das sind z.B. Facebook, YouTube, aber auch Wikipedia – müssen Verträge mit Bildagenturen und Filmstudios aushandeln. Tun sie das nicht (mit allen???), dann müssen sie dafür sorgen, dass beim Upload einer Datei keine Rechte Dritter verletzt werden – also, dass das von mir hochgeladene Bild wirklich mir gehört oder ich es legal und sauber erworben habe.

Wer Zwei und Zwei zusammenzählen kann, wird schnell merken, dass das niemals funktionieren kann. Woher sollen die wissen, ob ich dem Fotografen das Recht an dem Bild abgekauft habe? Die von Strafen bedrohten Webseiten werden also lieber zu viel, als zu wenig blocken. Super Werkzeug übrigens auch für (schleichende) Zensur.

Wehren kann man sich gegen den Unsinn noch durch Unterzeichnen einer Petition bei SaveTheInternet.info – und durch konsequentes nichtwählen der beteiligten Politiker. Zugegeben, es ist etwas übertrieben, aber sonst werden wir Wikipedia ohne Bilder, Facebook ohne Filmchen und YouTube ohne Alles haben. Da scheint von den Lobbyisten der Musik- und Filmindustrie bei einigen EU-Politikern wirklich Sinn und Verstand per vorherigem Uploadfilter geblockt worden zu sein.


Bildnachweis: oxie99 via Fotolia

3 Kommentare zu “Filter sind nur was für den Kaffee

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