Achte auf Deine Worte

Ein Forscher berichtete letzte Woche auf einer Tagung, dass es immer weniger Computer mit Display und Tastatur geben wird. Die Spracheingabe wird immer wichtiger – und besser, sagte er. Und das wird unseren Umgang mit smarten Geräten, Computern und Smartphones ändern. Eine neue Angestellte soll ihm letztens sogar gesagt haben: „Was soll ich mit Tastatur und Maus? Ich rede mit meinem Computer.“ Für meine Generation, die sogar noch Stolz darauf ist, Computer nur mit Tastatur über „die Konsole“ bedienen zu können, ist das echt schwer zu verstehen.

Und auf das „Verstehen“ kommt es bei der Spracheingabe besonders an. Die Sprachassistenten sollen unsere Wünsche ja quasi von den Lippen ablesen. Aktuell sind die Forscher damit schon recht gut. Man muss die Kommandos gar nicht mehr so klar und deutlich geben. Ein ganz normales Gespräch – ohne Befehlston – ist möglich. Anders ist es aber – noch – bei der Einschätzung der Befehle in ihrem Kontext.

Ich bring’ Dich um!“ Ganz ehrlich, jeder verheiratete Mensch hat diese Worte doch schon einmal bei einem Streit gesagt. Wäre doch blöd, wenn Siri da gleich die Polizei informiert. Oder: „Ich kriege einen Herzinfarkt“, wenn die Kinder das Bad unter Wasser gesetzt haben. Schwupps – schickt Alexa unnötigerweise einen Notarzt mit Defibrillator zu Ihnen. Wir Menschen können Worte noch einordnen. In der Regel bringen wir unseren Ehepartner ja nicht wirklich um. Und in der Regel kriegen wir wegen der Kinder auch keinen echten Herzinfarkt.

Eine Maschine mit regelbasierten Vorgaben kann das aber nicht unterscheiden. Deshalb muss sie Lernen. „Machine Learning“ ist das Zauberwort der künstlichen Intelligenz. Dabei ist das Einschätzen von Rahmenparametern ganz wichtig. Ein Automobilhersteller sagte mir mal, dass bei den autonom fahrenden Fahrzeugen folgendes Problem auftritt: Wenn man regelbasiert fährt, fährt das Auto in einer 30er Zone exakt 30 km/h – und wird natürlich von allen angehupt. Kein Mensch fährt nämlich wirklich exakt 30 in einer 30er-Zone.

Stellt man es auf „Machine Learning“ um“, dann beobachtet und lernt das Fahrzeug selbständig. Es wird feststellen, dass bei „Tempo 30“-Schildern alle Menschen im Durchschnitt 42km/h fahren. Und dann tut es das auch. 42 wird also das neue 30. Das Auto weiß aber auch, dass es gegenüber den Menschen einen weiteren Vorteil hat: ihm fehlt die Schrecksekunde. Dadurch kann es 15 km/h schneller fahren, als die langsamen Humanoiden.

Und schwupps, fährt das autonome Fahrzeug dank Machine Learning mit 57 durch die Tempo-30-Zone. Ist aber alles nicht so schlimm. Wird der Fahrer nämlich geblitzt und ruft erschrocken: „Was ist denn das für eine Scheiße?“ … dann bestellt das Auto gleich automatisch Feuchttücher zum wegwischen.

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