Künstliche Kunst

Das Auktionshaus Christies hat nach dem Banksy-Bild, das sich ja selbst (teilweise) zerschreddert hat, nun das nächste ungewöhnliche Bild versteigert. Nicht ganz so aufsehenerregend wie „Girl with a balloon“, aber doch auch ein Meilenstein. Das Bild „Edmont de Belamy“ zeigt einen Mann. Er trägt dunkle Kleidung, ein heller Kragen umschmiegt seinen Hals. Es könnte aus den jungen Händen Rembrands stammen. Na ja, aus den sehr jungen Händen vielleicht. Es wirkt ein wenig unfertig. Tatsächlich ist das Bild auch nicht aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Es stammt aus dem Jetzt!

Foto: Christies -> Screenshot

Gemalt hat das Gemälde eine Künstliche Intelligenz (KI) mit den Namen „min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))]“, so steht es jedenfalls rechts unten bei der Signatur. Es ist eine von Prozessoren erdachte Grafik. Angelehnt ist es an die Lernkurve, die die KI anhand vieler anderer Bilder ausgewertet hat.

Das Bild wurde von Christies in New York Mitte Oktober auf einen Wert von ca. 7.000-10.000 Dollar geschätzt. Damit lag der Auktionator aber weit daneben. Der Hammer fiel erst bei 432.000 Dollar zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten.

Dass Bilder nicht von Künstlern gemalt werden, ist nicht ungewöhnlich. Ich erinnere mich an einen Affen aus einem Zoo, dessen „Gemälde“ als abstrakte Kunst verkauft wurden. Der Zoo hat damit das Futter des Primaten bezahlt. Wenn ich mich recht entsinne, dann dürfte es bei den erzielten Preisen auch für Schampus und Kaviar gereicht haben. Dann gab es noch dieses Baby, das große Freude hatte, mit Fingerfarbe an den Extremitäten über weißes Papier zu krabbeln. Die Eltern schafften es, die Schmierereien für richtig Asche loszuwerden. Wir haben sowas früher zum Altpapier gebracht.

Am einprägsamsten aber war dieser Malroboter, der in den 1990ern so erfolgreich war. Können Sie sich erinnern? Dieser Android, der ausschließlich Landschaften malte. Das wurde sogar im Fernsehen gezeigt, meist nach Mitternacht im Dritten Programm. Auf den Bildern waren permanent die gleichen schablonenartigen Objekte drauf: Nadelbäume, Berge, ein See und die Sonne. Der fortschrittliche Algorithmus konnte dafür schon Spiegelungen im Wasser zeichnen. Dafür, dass das Gerät nur still stehen konnte und der Robotik-Arm lediglich hoch, runter, links, rechts und tupfen beherrschte, waren die Bilder  ziemlich realistisch.

Nur diese monotone Stimme war ein Graus. Ich bin fast immer eingeschlafen. Wie hieß denn dieser humanoide Roboter nur noch mal …. ach ja, stimmt: das war der Bob-Ross-2000. Die damals sehr üppigen 64kByte Hauptspeicher waren im Kopf untergebracht. Kühlgitter in Form einer Art Afrofrisur sorgten dafür, dass das Gerät nicht überhitzte.

Bob Ross Style Paintings im Verkauf (Screenshot)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.