Der Unmut der Eiterpickel

Die Firma Apple hat mit den aktuellen Softwareversionen auf iPhones und auch im Safari-Browser eine Anti-Tracking-Funktion eingeführt bzw. diese verbessert. Tracking bedeutet, dass die Online-Werbebranche weiß, wenn Sie auf der Webseite von WMF, Philips oder Severin nach Toastern gesucht haben. Sollten Sie dann im Web Nachrichten lesen, dann bekommen Sie dort – Überraschung! – Werbung für Toaster eingeblendet. Die bekannteste Methode, um Sie zu identifizieren dürften Cookies sein. Von denen hat wohl jeder schon gehört. Aber es gibt auch weitaus diffizilere Möglichkeiten, anhand derer man einen Internetnutzer identifizieren kann.

Wenn Sie eine Webseite aufrufen, dann weiß der Server, welchen Browser Sie nutzen, welche Version dieser hat und zum Teil auch, welche Add-Ons Sie installiert haben. Weiterhin erfährt er mittels JavaScript, wie große Ihre Bildschirmauflösung ist. Der Server kennt außerdem Ihre IP-Adresse und damit Ihren Internet-Provider. Und es gibt noch ein paar weitere Merkmale. Alle sind für sich alleine nicht eindeutig. Firefox nutzen Millionen Menschen. Die Auflösung von 1280×800 Pixeln ist beim 2014er 13“-Macbook Standard, die haben also auch Tausende. Es ist die Kombination. Die Kette all dieser Informationen, die jedes mal leicht anders ist und zusammengenommen ein Bild ergibt. So wird mit (sehr) hoher Wahrscheinlichkeit ein Rechner identifiziert.

Apple blockiert neuerdings Werbe-Tracker, indem sie deren Seiten durch maschinelles Lernen und mit künstlicher Intelligenz identifizieren. Und Apple macht das anscheinend richtig gut. Denn wie einige Medien berichten, beschwert sich die Online-Werbeindustrie massiv darüber, dass Apple sie effektiv blockiert. Zum Verständnis: Apple blockt keine Werbung. Sie blockieren die Information, die es erlauben, uns zu identifizieren, um dann webseitenübergreifend personenbezogene Werbung anzuzeigen. Mit der verdient man nämlich das große Geld.

Eine Werbe-Firma hat nun sogar ihre Umsatzprognose für das laufende Jahr um etwa 22% gesenkt. Die US-Werbeverbände werfen Apple sogar schändliches Verhalten vor, sie würden „das wirtschaftliche Modell des Internets“ sabotieren. Liebe Leute … geht’s noch? „Wirtschaftliches Modell des Internets“? Was ist das denn? Das Internet ist frei und kostenlos. Ihr nutzt es einfach, um ungefragt mit meinen Daten Geld zu verdienen. Ich habe nichts gegen Werbung, um Webseiten zu finanzieren. Aber das mehr oder weniger heimliche und total undurchsichtige Tracking gehört abgeschafft. Dass dieser Verband dann auch noch meint, das Blockieren personenbezogener Werbung würde meinem „Nutzererlebnis“ schaden, lässt mich vor Absurdität nur noch den Kopf schütteln. Da beschwert sich ein Eiterpickel, der gerade ausgequetscht wird, weil er glaubt, dass man mit ihm im Gesicht hübscher aussieht.

2 Kommentare zu “Der Unmut der Eiterpickel

  1. Von der Electronic Frountier Foundation, EFF, gibt es ein Angebot, den eigenen Browser zu testen:

    https://panopticlick.eff.org/

    Mein Firefox war in den letzten 45 Tagen unter 2.500.000 Browsern identifizierbar.
    Werbung im Internet hat noch ein anderes Problem, so wurde bereits Schadsoftware über Werbebanner ausgeliefert.

  2. Für jemanden der nur einen Hammer hat, ist alles ein Nagel…
    d.H. für die Werbeindustrie ist alles ein Wirtschaftliches Modell und jeder einzelne ein ausquetschbares Ziel.
    Das liegt in Ihrer Natur… ohne das Wirtschaftsmodell gäbe es die garnicht.
    Schön Thematisiert wurde das bei Minority Report, wo die ganzen Bildwände umschalten je nachdem wer vorbeiläuft, identifiziert per Augenscan… ;)

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