Killswitch

Der chinesische Konzern Huawei baut neben Smartphones auch Netzwerktechnik. Die Firma wird daher auch beim Ausbau des neuen Mobilfunknetzes 5G eine Rolle spielen. Für den flächendeckenden Ausbau des superschnellen Netzes werden nämlich eine ganze Menge neuer Antennen benötigt. Wie viele genau, hängt von Faktoren wie der tatsächlichen Frequenz ab. In einigen Medien stehen zwar höhere Zahlen, aber bis zu 750.000 neue Masten könnten tatsächlich hinzukommen.

Eine parlamentarische Anfrage der Grünen hat ergeben, dass ein Sendemast rund 170.000€ kostet (basierend auf den Kosten von LTE). Wer Drei und Drei zusammenzählen kann, kommt auf über 127 Milliarden Euro Investitionssumme. Europaweit sollen es laut Telekom sogar 300 bis 500 Milliarden sein. Huawei wird wohl von diesem Kuchen ein großes Stück bekommen.

Es ist daher nicht ganz überraschend, dass ausgerechnet jetzt die USA dem chinesischen Konzern Spionage vorwerfen und weltweit auf einen Verzicht von Huawei-Netzwerkkomponenten drängen. Würde das passieren, wäre das Kuchenstück amerikanischer Ausrüster wie Cisco zwangsläufig größer. Was an den Spionagevorwürfen dran ist, lässt sich schwer sagen. Einerseits sind chinesische Firmen gezwungen, mit ihren Geheimdiensten zusammen zu arbeiten. Andererseits gewährt Huawei dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in einem gemeinsamen Security Lab in Bonn freiwillig Einblick in den Quellcode seiner Geräte.

Wie das IT-Nachrichtenportal golem.de meldete, hat kürzlich der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) Gerhard Schindler ein weiteres Argument gegen Huawei ins Spiel gebracht: den Killswitch. Also den Not-Aus-Knopf im Mobilfunknetz. Bei einer politischen Krise oder Krieg könnte China den Knopf drücken. Alle Huawei Komponenten schalten sich ab und das Mobilfunknetz in Deutschland steht still. Mit katastrophalen Folgen. Undenkbar, sich so einer Gefahr freiwillig auszusetzen.

Aber Moment mal … tun wir das nicht schon? Was, wenn Samsung aus der Ferne alle Smartphones abschaltet? So, wie beim brandgefährdeten Samsung Galaxy Note 7. Nach einem Zwangsupdate konnte das Gerät nicht mehr geladen werden und war unbrauchbar. Oder Microsoft … was, wenn die gezwungen würden, alle Lizenzschlüssel in Deutschland auf ungültig zu setzen? Dann stünden nach wenigen Tagen fast alle Firmen und Behörden still, weil die Windows-Rechner nicht mehr funktionierten. Wahrscheinlich gäbe es Chaos, Versorgungsengpässe, Plünderungen und Verletzte.

So eine Krise überlebt man nur, wenn man auf eine derartige Situation vorbereitet und trainiert ist. Und ich rede jetzt nicht von der GSG-9 oder sonstigen Survival-Experten. Das überleben nur die, die schon mal über ein Jahr mit nicht-funktionierendem Windows auskommen mussten. Also all die, die Windows Vista hatten.

5 Kommentare zu “Killswitch

  1. „Das überleben nur die, die schon mal über ein Jahr mit nicht-funktionierendem Windows auskommen mussten. Also all die, die Windows Vista hatten.“
    *lol*

  2. Tobi, Du bist einfach der Beste!!!

    Nachdem wir es über Jahre, besser Jahrzehnte, nicht geschafft haben, eine IT-Hardware aufzubauen und am Leben zu lassen, dürfen wir Europäer uns nicht wundern, wenn man in Abhängigkeiten gerät.

  3. Zumal noch nirgens steht dass Cisco nicht spioniert. Spätestens seit Snowden brauchen die ja wohl kaum mit dem Finger auf die Chinesen zu zeigen.
    Ich sage nur „national security letter“.
    Sogesehen tauschen wir Pest gegen Cholera… aber natürlich versuchen sie durch FUD einen wirtschaftlichen Vorteil herauszuschlagen… das einzige was mich daran ärgert ist, dass es ernsthaft funktioniert…

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