Indisch‘ Intelligence

Während wir in Deutschland die Künstliche Intelligenz als einzige KI nennen, sagt der Rest der Welt dazu AI, was für Artificial Intelligence steht. Innerhalb der IT-Community steht AI aber auch für etwas anderes. Für „An Indian“ nämlich, also „Ein Inder“. Der „Witz“ soll suggerieren, dass KI gar nicht funktioniert und in Wirklichkeit Horden billiger, indischer Arbeitskräfte die Antworten von chatGPT liefern. Tatsächlich gibt es in Südasien eine Unmenge an exzellent ausgebildeten jungen Menschen, die ihr Geld als Software-Entwickler verdienen. Auch ich habe mir bereits über Plattformen wie upwork für vergleichsweise wenig Geld die ein oder andere Programmierarbeit von dort eingekauft.

Wenn Inder so gute Entwickler sind, dann liegt es doch nahe, dass es neben chatGPT & Co. auch eine indische KI … Verzeihung: AI … gibt. Und die gibt es auch. Builder.AI ist ein indisches Startup, das Programmierung durch Künstliche Intelligenz liefert. Man sagt der KI, was man für eine App haben möchte, ob sie auf Windows, Mac, Android oder iPhone laufen soll – und die KI programmiert einem das dann. Absurderweise ersetzt Builder.AI letztlich damit genau die Menschen, die es entwickeln. Doch es kommt noch absurder.

Startups mit Künstlicher Intelligenz sammeln derzeit Milliarden von Dollar an Finanzierung ein. Ganz anders als in der „Höhle der Löwen“ muss Sam Altman von chatGPT um keine Investoren buhlen. Sie stehen Schlange und wollen ihr Geld gegen Firmenanteile tauschen. Bei der letzten Finanzierungsrunde sammelte chatGPT unfassbare 40 Milliarden Dollar ein.

Nicht ganz so viel, aber immerhin über 500 Millionen Dollar, sammelte das indische Startup Builder.AI seit 2016 ein. Unter den Geldgebern sind Amazon AWS, Microsoft, Softbank und auch die Qatar Investment Authority. Und das indische KI-Startup legt sich richtig ins Zeug. Selbst absolute Computerlaien konnten Autor eines Computerspiels werden. Man sagt der KI möglichst genau, was man gerne hätte, und sie liefert eine Funktion, Prozedur oder eine fix und fertige App. Alles war möglich. Bis jetzt.

Builder.AI ist bankrott, der CEO zurückgetreten, Investoren versuchen, ihr Geld zu retten. Auch wenn sich manche Berichte in Teilen widersprechen, scheint eines klar zu sein. Builder.AI stand wirklich für „An Indian“, also „Ein Inder“. Denn es scheint sich herauszukristallisieren, dass es die KI, die Künstliche Intelligenz, hinter Builder.AI nie gab. Die Apps, die Programme, die Funktionen und Prozeduren die Builder.AI in Java, Perl, PHP oder auch Rust ausgespuckt hat, stammen gar nicht aus der Feder eines KI-Algorithmus. Sie stammen aus den Fingern von Mitarbeitern des Unternehmens. Von Softwareentwicklern. Von lebenden Menschen. Von Indern, um genau zu sein. Sie haben auf die Anfragen der User fertige Apps entwickelten. Also nix AI, nur „An Indian“.

Builder.AI hat gezeigt, dass der „AI-Witz“ gar nicht so abwegig ist. Vielleicht ist sogar chatGPT nur ein indischer Fake. Wer weiß. Passen Sie mal auf: Einer der häufigsten indischen Namen ist Gupta, das ist dort sowas wie Müller oder Schmidt bei uns. Lässt man wie bei FCKNZS die Vokale weg, wird aus Gupta … na? GPT. Genau. Na wenn das kein Hinweis auf die nächste Verschwörung ist. Chatten wir bei chatGPT vielleicht gar nicht mit einer KI, sondern mit „An Indian“ namens Gupta?


Bildnachweis: TyliJura via Pixabay

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