Hör auf Deine Kunden!

Man muss weiß Gott kein Marketingstudium haben, um zu wissen, dass man seinen Kunden zuhören soll. Und trotzdem muss ich mich regelmäßig ärgern. Dann zum Beispiel, wenn ich bei Blockhouse sitze, ein sauteures Tenderloin mit einem großen Topf Steaksauce bestelle – und der kleine Topf kommt. Dann zum Beispiel, wenn ich am McDrive ein Eis mit viel Schokosauce bestelle – und dann ein kleiner brauner Klecks auf dem Vanilleeis ist. Es wäre so schön, wenn die Leute einem zuhören würden. Schließlich bin ich ja der Kunde. Und es gibt Firmen, die machen das. Amazon zum Beispiel. Die hören zu, wenn ihre Kunden was sagen. Ganz genau sogar! Der ein oder andere von Ihnen denkt sich vielleicht gerade: „Gähn. Jetzt schreibt der Schrödel den vierhundertunddritten Panikmache-Artikel über Alexa.“ Nein!

Alexa ist die Spracherkennung von Amazon, die in den Echo-Geräten steckt. Die hört immer mit. Und das muss sie auch, weil sie sonst nämlich nicht mitbekommt, wann das Codewort „Alexa“ gesagt wird. Dann – und nur dann – speichert sie den folgenden Satz, macht eine Sprachanalyse und liefert das gewünschte Ergebnis. Sie liest den Wetterbericht vor, spielt einen Radiosender oder erzählt ganz banal einen Witz. Stand heute gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte, dass Alexa (oder andere Spracherkennungen wie Siri) uns permanent belauschen, dauerhaft Gespräche inhaltlich auswerten oder gar speichern. Aber das kann sich ändern. Weil das Gerät gehackt wird – oder weil man auf seine Kunden hören will.

Unter der Nummer US 8,798,995 B1 hat Amazon Technologies Inc. aus Reno, NV im Jahr 2011 ein Patent angemeldet und 2014 erhalten. Darin wird eine Technologie beschrieben, die es ermöglicht, aus Gesprächen Schlüsselbegriffe wie „ich mag“ oder „mir gefällt“ herauszufiltern. Die dann folgenden Begriffe wie „Steak“, „Kroatien“ oder „grüne Stoffhosen“ kann man speichern und dazu nutzen, um auf den Computern, Tablets und Handys in diesem Haushalt zielgerichtete Werbung anzuzeigen. Für das Steakhaus um die Ecke, eine Pauschalreise nach Split oder H&M. Die Krönung ist aber: man kann die zielgerichtete Werbung sogar nur der Person anzeigen, deren Stimme das Gerät vorher erkannt hat.

Amazon plant nach eigener Aussage (noch?) nicht, diese Technologie einzusetzen. Mir geht aber alleine die Idee schon zu weit. Anstatt neue Technologien sinnvoll einzusetzen und zum Beispiel behinderten Menschen das Leben zu erleichtern, geht es immer nur um Gewinnmaximierung. Das nervt mich und das sage ich seit Jahren! Aber mir hört Alexa – oder wie die alle heißen – ja nicht zu.


Bildnachweis: (c) Tobias Schrödel 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.