Google für den Frieden

Wer im Web gefunden werden will, der braucht eine Webseite. Wer möchte, dass die eigene Webseite bei der Google-Suche zudem ganz oben steht, der braucht einen SEO. Einen Search Engine Optimizer, einen Suchmaschinen-Optimierer. Das ist ein Beruf, kein Scherz.

Wer auch ohne Optimierer gefunden werden will, der kann einfach für Online-Werbung bezahlen und wird dann ebenso ganz oben eingeblendet. Über 400 Milliarden Dollar wurden laut Statista im Jahr 2021 weltweit in Online-Werbung gesteckt. Ein ziemlich großes Paket ist das. Dafür kriegt man fast 4 Stück „neue Bundeswehr“!

Doch … ob sich Online-Werbung auszahlt, ist gar nicht mal sicher. Im Gegenteil. 2019 haben zwei Reporter von „The Correspondent“ in einem sehr ausführlichen Artikel über Online-Werbung davon berichtet, dass eBay einmal in Teilen der USA für drei Monate keine Werbung schaltete – was bei den Finanzhütern in der Firma für Schnappatmung sorgte. Zu groß war die Angst vor massiven finanziellen Einbußen. Tatsächlich war der Verlust: Null. Es machte bei den Umsätzen schlichtweg keinen Unterschied, ob Online-Werbung geschaltet wurde oder nicht.

Ganz anders sieht es bei Online-Kundenbewertungen aus. Die sind für Firmen und insbesondere für Hotels und Restaurants extrem wichtig. Zumindest, wenn es eine gute Bewertung ist. Wenn ein ehemaliger Gast von leckerem Essen und gutem Service schwärmt und so neue Gäste anlockt. Machen wir uns nichts vor, in ein Gasthaus mit schlechten Bewertungen und „nur“ 3 von 5 Sternen geht doch heute niemand mehr.

Findige Menschen haben nun die Idee gehabt, diese Restaurantbewertungen ganz anders zu nutzen. Während die Welt zusehen muss, wie Putins Armee die Ukraine angreift, wissen Russlands Einwohner aufgrund zensierter Medien praktisch nichts davon. Um diese Zensur in den Massenmedien zu umgehen, riefen einige dazu auf, Moskauer Restaurants zu bewerten und dort – auf Russisch – nicht über Steaks, sondern über den Überfall auf die Ukraine und auch russische Verluste zu berichten. Einige hundert Menschen sind dem Aufruf gefolgt. Da auch immer wieder Bilder toter und gefangener Soldaten hochgeladen wurden, löscht Google diese Bewertungen jedoch mittlerweile. Und wenn sie mich fragen, ist es auch gar keine so gute Idee, unter eigenem Namen mehr oder weniger aktiv in einem bewaffneten Konflikt mitzumischen. Schließlich ist davon auszugehen, dass Russland auch weiterhin existiert und eine derartige Umgehung der Zensur ebenfalls liest, dokumentiert und eventuell in der Zukunft (wie auch immer) ahndet.

Daher: super kreative Idee. Die Aufforderung da mitzumachen, erhält von mir jedoch 0 von 5 Sternen.


Nachtrag 07.03. : Der Text ist Ende letzter Woche entstanden. Mittlerweile löscht Google alle Rezensionen bzw lässt keine neuen zu.

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