Führerschein auf Probe

Es gibt ja Menschen, bei denen fahre ich gern im Auto mit.
Die fahren vorausschauend und umsichtig. Sie rasen nicht und hängen auch dem Vordermann bei 185 km/h nicht auf der Stoßstange. Das sind Zeitgenossen, die vermutlich jeder gerne im Straßenverkehr antrifft.

Und dann gibt es die anderen. Die, die keinen Blinker haben. Die, die einen rechts überholen. Die, die einen nur den Auspuff sehen lassen. Die, die aufblinkend hinter einem auf der Autobahn fahren, man das Aufblenden aber gar nicht sieht, weil sie so nah an einem drankleben, dass man die Scheinwerfer gar nicht mehr erkennen kann.

Die, die an der Ampel bei Grün mit durchdrehenden Reifen losquietschen. Und die, die einfach glauben, sie sind allein im Straßenverkehr unterwegs.

Ganz schlimm wird es aber, wenn es sich bei dieser Sorte um Berufskraftfahrer handelt. Und damit meine ich gar nicht die LKW-Fahrer, sondern Personentransporteure. Ich sage bewusst nicht Taxifahrer, denn es gibt ja auch andere Chauffeur-Dienstleister. Uber zum Beispiel und in anderen Ländern auch noch Lyft. Und schon so manches Mal hatte ich Taxifahrer, mit denen war es gefährlicher zum Flughafen zu fahren, als mit dem Flugzeug zu fliegen. Also wenn ich der Pilot wäre, meine ich. Und ich habe gar keinen Flugschein.

Die Firma Uber will solchen Vorfällen nun vorbeugen. Das Computermagazin heise berichtet von mehreren Patenten, mit denen mittels BigData-Analyse das Fahrverhalten derer Chauffeure ausgewertet werden soll. Außergewöhnliche Fahrmanöver wie starkes Bremsen oder zu schnelles Durchfahren einer Kurve sollen mittels Neigungssensor im Handy erkannt und protokolliert werden. Wer zu viel rast, dem könnte das Vertrauen und die Uber-Lizenz entzogen werden.

Aber es geht noch weiter. Ein anderes Patent beruht darauf, mittels Handykamera den Fahrer zu beobachten. Dabei könnte eine Gesichtserkennung auch den Gemütszustand des Fahrers ermitteln. Ein wütendes Gesicht kann keine tolle Fahrgast-Experience sein. Zack. Kündigung! Oder wenn das Handymikrofon häufiges Geschrei im Fahrzeug erkennt, dann streitet einer wohl gerne mit den Gästen. Auch das ist sicherlich kein Zeichen eines
höflichen Fahrers und könnte ebenfalls zu einem Gespräch mit dem Chef führen.

Das krasseste Patent, das in dem Artikel aufgeführt wird, ist aber ein anderes. Es wertet
das Feedback der Fahrgäste aus. Klingt ein bisschen nach eBay. Positiv, Neutral, Nega-tiv. Aber weit gefehlt. Heise berichtet, dass schon die Angabe eines »starken Akzents« in der Aussprache eines Fahrers mit einer »geringen Qualität« der Dienstleistung gleichgesetzt wird. Wow. Starker Akzent heißt schlechte Dienstleistung?!?! Dann sieht es echt düster aus für die Zukunft von Sachsens Taxifahrern.

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