Wolken ohne Wasser

Die Feuerwehr löscht normalerweise mit Wasser. In Großbritannien sollen jetzt die Bürger löschen. Allerdings kein Feuer, sondern Fotos und E-Mails. Dafür auch nicht mit Wasser, sondern für Wasser. Klingt seltsam? Ist es auch.
Auf der Insel herrscht wie in vielen anderen Teilen Europas derzeit eine Dürre. Es regnet zu wenig, der Grundwasserspiegel ist niedrig. Die britische Regierung hat deshalb dazu aufgerufen Trinkwasser zu sparen. Typischerweise bedeutet das, dass man keine großen Rasenflächen gießen soll. Oder dass Swimmingpools nicht aufgefüllt werden dürfen.
Auch die Toilettenspülung nach dem Pipi machen auslassen ist ziemlich effektiv. Einen ganz neuen Vorschlag hat nun die »National Drought Group« in UK gemacht. Sie bitten darum, dass man digitale Fotos und E-Mails, die man nicht mehr braucht, löscht. Insbesondere dann, wenn man sie in der Cloud gespeichert hat. Denn im Gegensatz zu echten Wolken, die Wasser speichern und durch Regen abgeben, verbrauchen die digitalen Wolken (Clouds) Unmengen von Wasser für die Kühlung der Rechner.
Google Rechenzentren haben im Jahr 2021 fast 16,3 Milliarden Liter Wasser verbraucht. Das sind etwa 1,7 Millionen Liter pro Standort täglich. Meta (Facebook, Instagram und WhatsApp) spricht von 1,9 Millionen Litern täglich. Das sind schon beträchtliche Mengen, die da zum Kühlen von Computern verwendet werden. Tatsächlich gibt es sogar eine eigene Maßeinheit für den Wasserverbrauch von Rechenzentren, die in WUE wiedergegeben wird. WUE steht für Water Usage Effectivness und gibt den Wasserverbrauch in Litern pro Kilowattstunde Energieverbrauch an.
Wenn man mal schaut, was in den Cloud-Speichern – insbesondere an Handyfotos – so alles rumliegt und gekühlt werden muss, dann wird einem schnell klar: Vieles davon ist Schrott, das braucht kein Mensch mehr. Insbesondere, weil Rechenzentren die ganzen Selfies und Fotos vom Essen aus Sicherheitsgründen doppelt oder gar dreifach vorhalten. Es bringt sicherlich nichts, wenn jetzt ein Einzelner ein paar Bilder oder E-Mails löscht. Da müssen schon mehr mitmachen, damit eine spürbare Anzahl Computer abgeschaltet werden kann. Vermutlich ist es eher ein Weckruf, ein Appell ans Bewusstsein, dass jedes Selfie und jede Datei nicht nur Strom, sondern auch Wasser verbraucht. Ganz unnütz ist die Idee aber nicht, wie britische Forscher 2023 herausgefunden haben. Um zwei bis drei Prozent könne der Wasserverbrauch in deutschen Rechenzentren verringert werden, wenn die E-Mail-Bestände spürbar verkleinert werden.
Ich kenne übrigens viele Menschen, die anscheinend vom hohen Wasserverbrauch der Rechenzentren schon länger wissen und seit Jahren aktiven Umweltschutz betreiben. Ich rede von denjenigen, die mich immer mal wieder anschreiben und um Hilfe bitten, wenn ihr Handy runtergefallen und kaputtgegangen ist. Ich rede von denen, die dann heulen, weil die Bilder der Kinder – von der Geburt bis zur Einschulung – weg sind. Von denen, die kein Backup haben. Wie schlau! Kein Backup heißt ja gleich mal 50 Prozent der Daten gespart und damit literweise Wasser. Grandios mitgedacht. Danke. Wer braucht noch Kinderfotos, wenn die Welt auf dem Trockenen sitzt.

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