Was der Diesel kann, kann der TV schon lange

Sie können sich sicherlich an den Diesel-Skandal erinnern. Und nein, ich meine nicht, dass kürzlich der Liter Diesel an der Tanke trotz 30ct Tankrabatt deutlich über 2€ kostete. Ich meine den Diesel-Skandal von VW & Co. bei dem das Fahrzeug erkannte, ob es gerade auf dem Prüfstand von TÜV oder DEKRA stand und die Abgaswerte gemessen wurden. War das der Fall, lief die Abgasreinigungsanlage wie verlangt. War das nicht der Fall, wurde die Abgasreinigung abgeschaltet und deutlich mehr Schadstoffe als erlaubt in die Umwelt geblasen. Einfach gesagt. Volkswagen und einige andere Automobilhersteller wurden für diese Vorgehensweise bestraft und mussten die Software entsprechend korrigieren.

Die Idee, dass so bald getestet wird, sich das Diesel-Fahrzeug so richtig anstrengte, damit die Tester coole Werte sehen, diese Idee wurde nun auch von Herstellern von Fernsehern übernommen. Zwar geht es nicht darum, dass Emissionsgrenzwerte eingehalten werden müssen, diesmal geht es um Marketing. Denn je besser die gemessenen Werte eines Fernsehers sind, desto besser sind die Verkaufszahlen. Und bei einem TV geht es dabei unter anderem um die Geschwindigkeit der Pixel beim Farbwechsel – zum Beispiel beim Schwenk über den Rasen bei einem Fußballspiel. Reagieren da die Bildpunkte zu langsam, wirkt das Bild schnell wie Brei. Andere Werte sind die Helligkeit des Displays, wie schwarz Schwarz ist oder wie echt die Farben sind.

Vincent Teoh, ein Displaytester, hat nun ganz Erstaunliches festgestellt. Ihm fiel auf, dass einige Filmfreaks anmerkten, dass manche Farben auf einem Samsung-TV sichtbar zu hell erschienen, obwohl dieses TV-Modell beim Test nur Bestwerte lieferte. Beim Messen der Werte eines Fernsehers wird eine so genannte „10%-Schablone“ verwendet. Und offenbar erkennt Samsung, dass diese Schablone anliegt und schaltet dann in einen Modus, mit dem nur Bestwerte gemessen werden. Denn als Teoh eine „9%-Schablone“ anlegte, merkte der Fernseher nicht mehr, dass er gerade auf dem Prüfstand war und die Werte waren plötzlich nur noch gut, aber nicht mehr optimal. Sie lagen teils sogar deutlich weit weg von den Bestwerten.

Kurzum: Der Samsung Fernseher erkannte, wann er getestet wurde und gab dann sein Bestes. Beim täglichen Glotzen, war ihm das hingegen egal. Für den normalen Fernsehzuschauer ist das vermutlich völlig egal. Für Cineasten, die tausende Euros für das Top-TV-Modell ausgeben, um Top-Filme in Top-Qualität anzusehen, ein Unding. Dass ein Hersteller auf so eine Idee kommt, ein Armutszeugnis.

Ein Kommentar zu “Was der Diesel kann, kann der TV schon lange

  1. Meine Fre***. So langsam, aber sicher geht einem das echt auf die Nerven. Als Kunde musst du doch inzwischen wirklich alles hinterfragen und wirst nie so wirklich das Gefühl los, hintergangen zu werden. Irgendwie keine wirklich gute Basis für eine ‚Geschäftsbeziehung‘. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was da noch so alles im Dunkeln schlummert …

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