Vor 85 Jahren war Online Shopping besser als heute

Wissen Sie noch, wer der erste Online-Shop war? Es war das Versandhaus Quelle. Die haben 1927 schon angefangen so zu arbeiten, wie ein Online-Shop das heute macht. Neckermann und Otto folgten etwa 20 Jahre später.

Auch wenn die technischen Möglichkeiten damals etwas beschränkt waren, mit dem Pioniergeist der Unternehmen konnten diverse Unzulänglichkeiten elegant umschifft werden. So gab es zum Beispiel noch gar keine Shop-Software. Die Frontendinformationen für die Artikelauswahl wurden kurzerhand auf Papier gedruckt und in Kategorien zusammengefasst. Diese Loseblattsammlung wog in den 1980er Jahren locker 1,5kg.

Da noch kein Internet verfügbar war, um die Artikelstammdatenbank zum Kunden zu übertragen, wurde kurzerhand der Bock zum Gärtner gemacht. Die gedruckte Datenbank mit bunten Bildern, Preisen und Artikelbeschreibungen brachte letztlich die Bundespost zum User. Eine absurde Idee, denn eigentlich war der Subunternehmer mit dem Posthorn im Logo ursprünglich nur dazu gedacht, die bestellte Ware zum Endkunden zu liefern. Heute ist diese – mittlerweile outgesourcte – Abteilung der Post unter dem Namen “Deutsche Telekom” vom Markt nicht mehr wegzudenken.

Hatte der User dann seinen Warenkorb gefüllt und wollte bezahlen, kam der Workflow erneut ins Stocken: es gab kein Online-Banking. Das war jedoch egal, denn im Gegensatz zu heutigen eCommerce Plattformen wurde lediglich darauf Wert gelegt, dass das Geld beim Verkäufer ankam. Wie – das war letztlich egal. Und weil die gelben Überweisungsscheine der Banken ebenso wie die Bestellpostkarten und der Katalog aus Papier waren, gab es auch keinen der gefürchteten Medienbrüche. Um den auf heutigen eCommerce Plattformen zu vermeiden, zerbrechen sich teils heerscharen hochbezahlter Projektmanager den Kopf.

Was hat sich in den letzten rund 85 Jahren Online-Shopping dann überhaupt getan? Außer ein wenig Optimierung hier und da hat sich doch nichts Essentielles verändert: Aussuchen, bestellen, bezahlen, verpacken, verschicken. Obwohl: Heute hinterlässt ein meist unterbezahlter, gehetzter Paketbote einen schnöden Karton beim Nachbarn. Früher war Happening in der ganzen Straße, wenn Neckermann die Schrankwand „Eiche Rustikal“ anlieferte.

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