Verkaufsprovision

Im Verkauf liegt das Gehalt manchmal nur beim Mindestlohn und kann durch Verkaufsprovisionen erhöht werden. Wer viel verkauft, verdient viel … heißt es dann. Ist doch fair. Nun ja, eigentlich sind Provisionen nichts anderes, als das Geschäftsrisiko auf den Arbeitnehmer umzuwälzen. Unsere Freunde von Amazon haben im Bereich der Provision nun einen Weg eingeschlagen, den ich geradezu revolutionär finde. Ihre Provision besteht nicht aus Geld.

Es geht hier um Amazons Tochterfirma „Ring“. Die stellt Überwachungskameras und Bewegungsmelder in Türspionen oder Türklingeln her, die mit dem heimischen WLAN und so auch mit dem Internet verbunden sind. Steht ein Paketbote vor der Tür, während man selbst noch bei Rewe & Co. in der Schlange steht, kann man über das Smartphone den Lieferdienst bitten, das Paket abzustellen. Selbst das heimische Sofa muss man nicht mehr verlassen, wenn jemand mit einem „über Gott“ reden möchte. Dank dem „Ring Türspion“ genügt ein Blick in die App, man sieht sofort, wer da gerade geschellt hat und dann stellt man sich einfach tot.

Eigentlich unvorstellbar, dass sich derart tolle Produkte nicht von selbst verkaufen. Wie das amerikanische Magazin „Vize“ herausgefunden hat, haben sich die Manager von „Ring“ jetzt an die Polizei gewandt. Sie hoffen auf Unterstützung beim Verkauf der Geräte. Schauen Sie, wenn Ihnen bei einem Gespräch ein Feuerwehrmann sagt, dass ein Rauchmelder wichtig ist und dann zufällig noch den Namen eines ganz bestimmten Herstellers nennt … wer sucht da noch nach dem richtigen Produkt? Wenn der Fachmann schon zur Marke xyz rät?

So ähnlich war der Plan von „Ring“. Wenn Polizisten bei Gesprächen über Prävention von Einbrüchen zu „Ring“ Türklingeln raten … weil die dank Bewegungsmelder und Kamera selbst vorbeilaufende Subjekte filmen und so zur Aufklärung von Einbrüchen und Festnahme von Dieben beitragen können … wer könnte da noch Nein sagen?

„Ring“ hat die Polizei von Lakeland, Florida gebeten, ihre Produkte anzupreisen. Nur, warum sollte die Polizei da mitmachen? Was hat sie davon? Neben 10$-Gutscheinen umschreiben die „Ring“-Vertriebler den Nutzen für die Polizei wie folgt: Dank der Vernetzung der Geräte kann man bei einem Einbruch alle „Ring“-User in der näheren Umgebung bitten, ihre Überwachungsfilmchen freizugeben. Das können die mit wenigen Klicks in der App „Neighbour“ selbst tun. Verstehen Sie? Zwei, drei Klicks und der User stellt das Video online. Keine polizeiliche Formular-Hölle mehr. Und auch kein aufwändiges Einholen richterlicher Genehmigungen für eine Öffentlichkeitsfahndung! Klick. Fertig. Geile Teile, diese „Ring“-Geräte!

2 Kommentare zu “Verkaufsprovision

  1. Hi Tobi, toller Beitrag. Wie immer :-). Auf den Videos sieht man dann nicht nur, was der Einbrecher so macht, sondern vielleicht auch, wann „der Tobias“ nach Hause kommt oder geht, mit wem und wie oft er mit Gerümpel zum Wertstoffhof fährt. Ja das ist doch auch interessant. Bei uns in der Siedlung war die Diskussion der Kameraüberwachung 24/7 auch vor einiger Zeit. Wer sichtet dann solches Material, wer hat Zugriff auf die Daten? Ich habe mich strikt dagegen entschieden. Ist dann auch bei der Diskussion geblieben ;-). Jetzt kann man argumentieren, ja, die Nachbarn sehen das ja eh. Aber wenn ich wüsste, der Nachbar sitzt den ganzen Tag am Fenster, um zu schauen, was die info-security-lady so macht, würde mich das schon nerven. Oder?

    • Der Witz bei der Amazon-Aktion war, dass die Polizei a) Provision bekommt, wenn sie die Kameras an die Bürger vermittelt und damit dann weiter Kameras kaufen sollte und b) die Bürger dafür der Polizei *freiwillig* Zugriff auf die Videos geben sollten.

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