Sorry!

Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, sagt Sorry! Sorry dafür, dass die Daten, die sein Unternehmen über Jahre von seinen Nutzern gesammelt hat, benutzt wurden. Benutzt von einer Firma, die sie unter dem Deckmantel einer Persönlichkeitsanalyse abgegriffen hat. Mark Zuckerberg sagt Sorry dafür, dass dieses Unternehmen die Daten dann weitergegeben und nicht – wie versprochen – gelöscht hat. Es sei ein Fehler gewesen, so gutgläubig zu sein, sagt er. Sorry! Er sagt indirekt auch Sorry dafür, dass die Daten dann für einen schmutzigen Wahlkampf benutzt wurden und die Amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflusst wurde.

Die Aufrichtigkeit hinter diesem „Sorry!“ an seine User vermag ich nicht so ganz glauben. Zuckerberg weiß ganz genau, wie wertvoll unsere (!) Daten sind. Und ich rede nicht von Werbung für ein Scheibenwischer-Nachschneide-Messer. Ich rede eher von politischen und wirtschaftlichen Vorteilen. Dinge, die eigentlich unbezahlbar sind.

Ich halte sein „Sorry!“ auch deshalb für Augenwischerei, weil Facebook seit Jahren immer wieder beweist, dass es nur geringes Interesse an Transparenz und der Anerkennung von Datenschutzgesetzen hat. Zwei Beispiele: Alex Stamos, Facebooks oberster Sicherheitschef, forderte immer wieder vehement die Veröffentlichung und Transparenzmachung der russischen Meinungsmanipulation via Facebook bei Trumps Wahl – und eckte mit dieser Meinung intern so dermaßen an, dass ihm „andere Aufgaben zugeteilt wurden“ und er das Unternehmen im August verlassen wird. Außerdem: Welchen Stellenwert ausländische Behörden für Facebook haben, zeigt die Aussage des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Prof. Dr. Johannes Caspar in einem Interview mit der Zeitschrift t3n: „Nach wie vor akzeptiert Facebook nicht die aufsichtsrechtliche Zuständigkeit unserer Behörde“. Da sind die eigenen Unternehmensrichtlinien wohl ertragreicher.

Facebook ist ein Wolf im Schafspelz, der sich in diesem Skandal selbst als Opfer darstellt. Es ist aber schon lange nicht mehr nur ein soziales Netzwerk, das ehemalige Schulfreunde wieder zusammenbringt. Es ist ein gigantisches Industrieunternehmen, das im Jahr 2016 über 27 Milliarden Dollar umgesetzt hat … mit unseren (!) Daten. Das „Sorry“ von Zuckerberg war meines Erachtens nur Vordergründig an uns Nutzer adressiert. In Wirklichkeit richtete er es an die Aktionäre des Unternehmens. Schließlich hat der aktuelle Skandal mal eben über Nacht den Börsenwert um 7% gesenkt. Da sind über 37 Milliarden Dollar vernichtet worden. Das ist Pi mal Daumen soviel wie das gesamte Jahres-Bruttoinlandsprodukt von Bolivien (38 Mrd $) oder etwas mehr als die Hälfte von Zuckerbergs geschätztem Privatvermögen (68 Mrd $). Einfach weg. Über Nacht. Kann ja mal passieren. Aber wie gesagt: Sorry!

5 Kommentare zu “Sorry!

  1. Facebook hat nur konsequent sein Geschäftsmodell umgesetzt: Daten sammeln, auswerten, aggegieren und verkaufen. Davon lebt Facebook (inkl Whatsapp und Instragram), und das verdamm gut. Infrastruktur und Mitarbeiter wollen ja auch bezahlt werden.

    Was Amazon im Bereich Einkaufen macht, macht Facebook im Sozialen.

  2. Ja, Zuckerberg setzt mit seinem Unternehmen klar eine Strategie, sein Geschäftsmodell um. Das Problem ist nur, dass das den meisten Usern völlig egal ist, vor allem deswegen, weil sie gar nicht überschauen, was mit ihren freiwillig gelieferten Daten alles angestellt werden kann. Ein einfaches und gar nicht so unwahrscheinliches Denkmodell spukt mir da schon sein einiger Zeit im Kopf herum. Vermutlich deswegen so hartnäckig, weil dieses Denkmodell nur ohne soziale Medien schon mal Realität wurde.

    Man stelle sich einmal vor, eine radikale Partei kommt auf Anhieb in den Bundestag und wenige Jahre später an die Macht, weil die etablierten Parteien der Gefahr nicht rechtzeitig entgegengewirkt und einfach weiterhin ihre eigene Politik gefahren haben, obwohl diese in weiten Teilen nicht mehr die Politik war, mit der sich die Wähler identifizieren konnten. Mit Hilfe der in FB und anderen ähnlich gelagerten Medien wäre es ein Leichtes, die Andersdenkenden, die in der Vergangenheit gegen diese radikale Partei argumentiert haben, herauszufiltern und deren Verhalten zu sanktionieren.

    Bis jetzt nur ein Denkmodell … !?

    • Geschichte wiederholt sich… ist wie in der Mode: alles kommt irgendwann wieder.

      Und schau mal was Georg Orwell in 1984 (https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)) beschrieben hat, und was davon schon alles realisiert wurde. Manchmal habe ich den Eindruck so mancher „Erfinder“ hat sich den Roman als Vorlage benommen.

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