Schlaf gut und süße Träume

Das größte Problem bei selbstfahrenden Autos ist meiner Meinung nach, dass der Fahrer laut Straßenverkehrsordnung immer Herr oder Frau der Lage sein muss. Dann kann man doch auch gleich selbst fahren, oder? Die Regelung ist jedoch sinnvoll. Immer wieder kommt es zu Fehleinschätzungen der Automatik. Und dann muss der Mensch eingreifen. Vielleicht erinnern Sie sich an den tödlichen Unfall, als ein Tesla im Autodrive-Modus eine Fahrradfahrerin rammte. Wäre der Fahrer aufmerksam gewesen, dann wäre der Unfall zu vermeiden gewesen. Und deswegen schreibt unsere StVO vor, dass der Fahrer permanent aufpassen muss.

Das funktioniert aber nicht. Dazu sind wir Menschen einfach nicht gebaut. Wir vertrauen der Automatik schnell, schalten ab und beschäftigen uns mit anderen Dingen. Gedanklich, mit dem Handy oder auf der Suche nach Bonbons im Handschuhfach. Welchen Sinn ergibt ein selbstfahrendes Auto, wenn ich genauso konzentriert sein muss, wie wenn ich selbst fahre? Keinen! Noch. Irgendwann werden die Autos nahezu fehlerfrei sein. Und dem wird sich die Gesetzgebung anpassen. Dann werden wir sogar schlafen dürfen, während wir in unserem Auto über die Autobahn brettern.

Ein 45-jähriger Kalifornier hat das kürzlich schon mal ausprobiert. Er schaltete um 3 Uhr Nachts den Autopiloten seines Tesla Model 3 an und schloss die Augen. Das Fahrzeug fuhr ihn daraufhin nach Hause. Selbstständig.

Auf dem Highway 101 beschleunigte das Auto auf die zulässigen ca. 110 km/h und cruiste dahin – während der Fahrer wie ein Murmeltier schlief und süße Träume träumte! Der Autopilot funktionierte hervorragend.

Langsamer vor ihm fahrende Fahrzeuge wurden sicher überholt, die Geschwindigkeitsbegrenzung immer eingehalten. Selbst eine kritische Situation, als der Verkehr vor dem Tesla immer langsamer wurde und keine freie Spur zum Überholen frei war, meisterte die Automatik bravourös. Das Fahrzeug hielt Abstand und bremste letztlich bis zum Stillstand ab. Perfekt! Fast.

Einen Fehler hatte die Automatik dann doch gemacht. Sie hat nicht erkannt, dass die vor ihm abbremsenden Fahrzeuge allesamt Polizeiautos waren. Ein Polizist hatte den schlafenden Mann in seinem Fahrzeug bei 110km/h entdeckt. Als alle Versuche scheiterten, diesen mittels Blaulicht, Hupe und Sirene aufzuwecken, kam Verstärkung. Mehrere Polizeiautos blockierten vor dem Tesla alle Spuren, um ein automatisches Überholmanöver des Autopiloten zu unterbinden. Danach bremsten sie ihn langsam herunter – 11km nach dem ersten, erfolglosen Kontaktversuch.

Aufgewacht ist der Fahrer erst, als die Polizisten an sein Fenster klopften. Er wurde festgenommen. Seinen Wagen hat dann ein Beamter auf einen Polizeiparkplatz gefahren – per Handsteuerung übrigens. Ob Tesla nun an einem Software-Update arbeitet, das zukünftig den Fahrer weckt, wenn neben ihm ein Polizeiauto um Aufmerksamkeit bettelt, ist nicht bekannt.

Ein Kommentar zu “Schlaf gut und süße Träume

  1. An fehlerfreie Fahrautomaten glaube ich nicht, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.
    Solange sogar die ESA mit ihrem Budget nicht eine ordentliche Landesteuerung für den Mars-Lander hinbekommt, und da fährt kein Gegenverkehr etc. – halte ich unsere Welt noch für zu komplex und zu dynamisch als dass ein Programmirer alle Eventualitäten vorhersehen und im Programm berücksichtigen könnte. Selbst die giel gehypte KI ist aktuell nicht viel mehr als Mustererkennung und -Bewertung.
    Das hat mit Intelligenz, Kreativität und der Möglichkeit auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren nichts zu tun.
    Dass ein Highway nachts um 3 Uhr keine allzugroßen Probleme für eine automatische Steuerung darstellt glaube ich ja gern… aber eine Fußgängerzone während eines Wochenmarkts, eine vielbefharene Autobahn in der Rush Hour usw. ist nochmal ne ganz andere Hausnummer.
    Von schlechten Straßen wie im Outback etc. ganz zu schweigen…

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