Reboot tut gut

Für mich ist die beste TV-Serie der Welt weder „Game of Thrones“ noch „Breaking Bad“. Es ist „The IT-Crowd und handelt vom Leben typischer Mitarbeiter einer EDV-Abteilung. Jedem Anrufer mit Computer-Problemen wird erst einmal die Frage aller Fragen gestellt: “Haben Sie den Computer schon aus- und wieder eingeschaltet?” Diese Frage ist gar nicht so blöd, denn manche Systeme brauchen tatsächlich hin und wieder einen Neustart, damit es keinen Systemabsturz gibt.

Blecheimer mit WassertropfenMeist ist ein Programmierfehler für einen Computercrash verantwortlich – häufig das „Überlaufen einer Zahl“. Das liegt daran, dass Zahlen im Computer – bildlich gesprochen – durch die Anzahl an Tropfen in verschieden großen Eimern gespeichert werden. Ein Eimer in Byte-Größe fasst zum Beispiel 256 Tropfen. So kann man jede Zahl zwischen 0 (leerer Eimer) und 255 (randvoller Eimer) speichern.

Soll der Eimer aber auch negative Zahlen darstellen, behilft man sich mit einem Trick. Er wird einfach auf halber Füllhöhe markiert und dieser Mittelstrich als Nullmarke definiert. So kann man zwar immer noch 256 unterschiedliche Zahlen speichern, diese gehen aber nun nicht von 0 bis 255, sondern von –128 (leerer Eimer) über 0 (halbvoller Eimer) bis zu +127 (randvoller Eimer).

Blecheimer - liegend mit EinsichtIst ein Eimer randvoll und aufgrund eines Programmfehlers soll noch ein weiterer Tropfen hinzukommen, läuft er nicht wie im echten Leben über. In der Computersprache nennt man das zwar auch so (arithmetischer Überlauf), in Wirklichkeit wird dieser Eimer aber ausgeleert. Anstatt der gewünschten +128 oder 256 zeigt er also plötzlich -128 (bei Eimern mit Nulllinie in der Mitte) oder gar 0 an – und eine Division durch Null kann schnell zu einem Systemabsturz führen.

Genau dieses Problem hat der neue Boeing 787 Dreamliner aktuell auch. Die Steuerelektronik der Stromgeneratoren hat einen Zähler – und dessen „Eimer“ läuft nach genau 248 Tagen über. Da das System dann durcheinanderkommt, fährt es sicherheitshalber alle Generatoren runter und schaltet sie aus.

Boeing_787-8_maiden_flight_overhead_viewDummerweise auch den, der den Saft für das Cockpit und somit auch die Steuerung des Riesenvogels liefert – und zwar völlig egal ob der gerade am Boden oder in der Luft ist.

Damit das nicht passiert, müssen die Airlines nun laut US-Luftfahrtbehörde FAA regelmäßig den Zähler des 787 Dreamliners durch einen Neustart zurücksetzen.

In der Checkliste, die die Piloten vor dem Abflug durcharbeiten steht daher ab sofort so was wie: „Haben Sie das Flugzeug schon aus- und wieder eingeschaltet?“


Bildnachweis:

Eimer: fotos4people und telcom-photography über fotolia

787 Dreamliner: Dave Sizer unter Creative Commons License (über Wikipedia)

3 Kommentare zu “Reboot tut gut

  1. Richtig Angst bekomm ich erst, wenn die Steuerelektronik aller Kfz auf Windows umgestellt wurde… Da kommt dann die Frage am Display: „Wollen Sie wirklich aussteigen? – Sind Sie sicher?“….

  2. „Have you tried turning it off and on again?“

    Kann ich nur zustimmen. IT-Crowd ist ein absoluter Geheimtipp und guter, solider britischer Humor!

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