Wenn man bei einer Banküberweisung im Bemerkungsfeld aus Spaß so Sachen wie „für Uranlieferung“ oder „Danke für das Koks“ schreibt, kriegt man am nächsten Tag einen Anruf seiner Bank. Da wird man höflich ermahnt, solche „Scherze“ zukünftig zu unterlassen, wenn man sein Konto behalten möchte. Das war es dann aber auch schon. In einem Flugzeug reichte letztens aber ein witzig gemeinter WLAN-Name aus, um ein ganzes Sicherheitsprotokoll aus der Schublade „Ernstfall“ zu ziehen. Kein verdächtiges Gepäck, kein nervöser Passagier, kein ominöser Zettel auf der Bordtoilette – sondern ein privater Hotspot mit einem maximal schlechten Sinn für Humor. Der Name des Hotspots: „Terrorist“ – auf Arabisch. Willkommen im Jahr 2026, in dem ein frei gewählter Netzwerkname mehr Sprengkraft entfalten kann als ein schlecht gelaunter Mitreisender auf 12B.
Der WizzAir-Flug war unterwegs nach Tel Aviv, also in eine Region, in der Sicherheitsbehörden bekanntermaßen keinen Spaß verstehen. Aus guten Gründen. Wer dort arbeitet, geht lieber einmal zu viel als einmal zu wenig vom Schlimmsten aus. Das Problem: WLAN-Namen sind keine Witze, sondern Funksignale. Und Funksignale lassen sich nicht mit ironischem Unterton versehen. Der Hotspot meinte es vielleicht lustig, die Mitpassagiere meinten es ernst, die Crew meldete es pflichtbewusst – und plötzlich flogen Kampfjets neben einem Billigflieger, der eigentlich nur pünktlich landen wollte.
Man kann sich die Szene gut vorstellen. Irgendwo über dem Mittelmeer: links der Flügel, rechts ein bewaffneter Jet, im Cockpit vermutlich die Frage, wie man das später im Bordbuch formuliert. „Begleitet wegen WLAN.“ Klingt absurd, ist aber folgerichtig. Moderne Sicherheitssysteme sind wie sehr nervöse Wachhunde: Sie bellen nicht nur, wenn jemand über den Zaun steigt, sondern auch, wenn ein Blatt verdächtig raschelt. Und ein WLAN namens „Terrorist“ raschelt eben sehr laut.
Nach der Landung folgte das übliche Programm: Polizei, Durchsuchung, Hunde, ernste Gesichter. Ergebnis wie so oft: Fehlalarm. Kein Sprengstoff, kein Plan, keine Bedrohung. Nur ein Name, vermutlich von einem Kind vergeben, das nicht wusste, dass man mit ein paar Buchstaben die Luftwaffe beschäftigen kann. Der Schaden? Ein riesiger Aufwand, jede Menge Angst bei Passagieren und die Erkenntnis, dass digitale Spielereien längst in der realen Welt angekommen sind.
Die Lehre aus der Geschichte ist banal und unerquicklich zugleich: Nur weil man etwas tun kann, sollte man es nicht tun. WLAN-Namen sind keine Stammtischwitze – zumindest nicht überall. Sie sind Teil eines hochsensiblen Sicherheitsraums. Wer dort provoziert, bekommt keine Likes, sondern Begleitung.
Ich habe keine Ahnung, wieviel die Eltern des Jungen für den Flug bezahlt haben. Ein WizzAir-Ticket von London nach Tel Aviv gibt es jedenfalls schon für 69,99 Pfund. Auf die Eltern des Jungen kommen nun aber auch die „Ticketpreise“ der Jetpiloten und ein paar Flugstunden von deren F-16 Jets zu. Für das Geld hätten die nicht WizzAir fliegen müssen. Das hätte locker für Businessclass-Tickets gereicht. Mit Umweg über New York, Kapstadt, Singapur und Hawaii.

Man könnte es aber auch einen Fall für die Psychiatrie oder aus einem anderen Blickwinkel Paranoid nennen. Ein WLAN Name, sicher hochkritisch sowas. Glauben die etwa, dass ein Attentäter so offen mit seinen Plänen umgehen würde?