Katzen in HD

Amazon macht Milliardengewinne, zahlt aber keine (oder kaum) Steuern. Das ist deshalb schäbig, weil ein Staat mit den Steuereinnahmen unter anderem auch Autobahnen und Straßen baut und in Stand hält. Und ohne diese Straßen könnte Amazon sein Geschäft gar nicht tätigen. Unternehmen, die Ihren Gewinn also durch Nutzung allgemeiner Infrastruktur erzielen, sollten sich auch angemessen (!) an deren Bau und Erhalt beteiligen.

Vermutlich pflichten viele Menschen dieser Ansicht bei. So auch elf Chefs der großen europäischen Telekommunikationsunternehmen, darunter die Telekom, Vodafone,  Telefonica, Orange, Telekom Austria, KPN, die BT Group, Telenor und Swisscom. Sie meinen, dass sich Nutzer von Infrastruktur, die damit Gewinne erzielen, auch an dieser beteiligen sollten. Allerdings reden die elf CEOs in einer bei Reuters veröffentlichten Erklärung nicht von normalen Autobahnen, sondern von der Datenautobahn. Sie meinen auch nicht Amazon. Sie meinen Netflix, Facebook und YouTube. Während sie immense Kosten für den Ausbau von Datenleitungen hätten, letztes Jahr waren es 52,5 Milliarden Euro, steigen die Gewinne weniger Tech-Riesen, die einen Großteil des Netzwerkverkehrs erzeugen. Es wäre daher nur fair, wenn sich diese Firmen an den Kosten der Infrastruktur beteiligen. Ganz ähnlich, wie wir das bei Amazon und der Nutzung der Straßen auch irgendwie fordern.

Leider ist das im Bereich des Datenverkehrs etwas anders zu betrachten. Würden Netflix, YouTube & Co für schnelle Datenleitungen bezahlen, dann würden sie auch bevorzugt werden wollen. Ganz nach dem Motto „wer zahlt, schafft an“ ist dann zu befürchten, dass andere ausgebremst werden. Kein ruckelndes YouTube Video mehr. Im Zweifel müssen andere Daten eben warten. Das jedoch lässt sich nicht mit der Netzneutralität vereinbaren. Das ist ein Gesetz, dass vorschreibt, dass alle Datenpakete gleichschnell transportiert werden müssen. Ganz egal, ob sie von einem zahlenden Kunden, einem wohltätigen Verein oder einem Schwerverbrecher stammen.

Eigentlich sollten wir Verbraucher uns fragen, ob wir nicht Schuld an dem Problem der immer steigenden Notwendigkeit höherer Bandbreite sind. Brauche ich zum Beispiel Filme in 4K-Auflösung auf meinem Handy? Da werden völlig unnötig mehrere Gigabyte an Daten gesendet, die mein Handy dann wieder runterrechnen muss, weil es das Display sonst gar nicht darstellen kann.

Meine erste Datenverbindung in der Firma war über ein 56K-Modem angeschlossen. Darüber haben wir damals alle Überweisungen an die Bank übertragen, am Monatsende zudem die Gehaltszahlungen der Mitarbeiter. Über den gleichen Anschluss wurden auch noch täglich Zollinformationen für hunderte Pakete an den Flughafen übermittelt. Alles lief damals über dieses eine 56K Modem. Heute habe ich 150mbit zu Hause. Meine private Leitung ist also über 21.000 mal schneller. Und was mache ich mit diesem Überfluss an Kapazität? Ich schaue mir lustige Katzenvideos an und ärgere mich, wenn es mal kurz ruckelt.

2 Kommentare zu “Katzen in HD

  1. Ja, genau so ist das. Wir sollten uns tatsächlich fragen, ob all der Luxus den wir uns leisten, wirklich notwendig und vor allem gerechtfertigt ist. Ich personlich habe sogar mit einem 14.4 Modem angefangen – später dann der Quantensprung ISDN mit 64K bzw. mit Kanabündelung 128K. Zu der Zeit nannte sich das Internet noch Mausnet oder Fidonet und das waren Inselnetze. Allerdings muss man der Fairnesskeit halber sagen, dass die Datenmengen die da übertragen werden musste, auch wesentlich geringer waren. Man hat einfach auf unnötige optische Spielerein und unnütze Animationen verzichtet hat. Natürlich ist heute alles schöner und bunter, auch ich habe daran Freude.

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