Kaffeepause entfällt

Es gibt doch nichts Schöneres als morgens aufzuwachen und der Duft von frischem Kaffee steigt einem in die Nase. Hmmm. Dieses Röstaroma das ja auch seit Jahrzehnten in Kaffeewerbung im Fernsehen von Jacobs & Co. so himmlisch beworben wird, hat schon was.

Mehrere Jahre war ich Junkie eines Kaffeevollautomaten. Mit Mahlwerk und einem Kasten, so groß wie früher ein Stereo-Tower mit Plattenspieler. Aber das war schon praktisch. Knopf gedrückt, Chrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr, Pfffffff Schhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh und schon war die Tasse voll. Seit Mitte 2018 – ich hatte darüber berichtet – bin ich wieder auf echten Filterkaffee umgestiegen. Schmeckt anders und dauert nur unwesentlich länger.

Einen weiteren Vorteil hat meine altmodische Kaffeemaschine auch noch. Sie lässt sich nicht hacken. Martin Hron, ein IT-Sicherheitsexperte, hat sich letztens den Kaffee-Vollautomaten Coffee Maker 2 des Herstellers iKettle mal genauer angeschaut.

Das ist ein smarter Vollautomat, also eine digitalisierte Kaffeemaschine. Dumm, nur, dass es dem Forscher nach eigenen Angaben gelang, die völlig ungeschützte Software auf dem Gerät durch eine eigene auszutauschen. Anstatt bei einem Tastendruck eine Tasse Capucchino auszugeben, zeigte der iKettle im Display einen Teufel an und spritze heißes Wasser durch die Gegend. Sogar eine Erpressung war möglich. Die Maschine kann sich weigern, Kaffee zu brühen, so lange der Besitzer kein Geld an den Hacker überwiesen hat. Bitcoin natürlich, anonym. Ransomware der teuflischen Art.

iKettle baut übrigens auch smarte Wasserkocher. Nicht auszudenken, wenn es einem Hacker gelingt, die Selbstausschaltung bei Überhitzung aus- und den leeren Wasserkocher anzuschalten. Eine Fernwartung der anderen Art. So brennen moderne Pyromanen Häuser ab, ohne in Gefahr zu laufen, als Feuerteufel vor Ort von der Polizei geschnappt zu werden.

Eines aber zeigt mir das ganze wieder. Digitalisierung ist wirklich toll und bringt uns als Gesellschaft enorm viel. Es gibt aber Bereiche, da ist das einfach nur Unsinn. Hört endlich auf, jeden Dreck zu digitalisieren und Probleme zu erzeugen, die es vorher nicht gab. Trinkt lieber mal in Ruhe eine Tassee Kaffee– falls Eure Kaffee-Maschine überhaupt noch einen machen kann. Bei mir läuft’s jedenfalls. Und wie das duftet …


Bildnachweis: Screenshot aus Video von Martin Hron

Ein Kommentar zu “Kaffeepause entfällt

  1. Oder einfach eine gute Tasse Tee trinken. Die paar, an einer Hand abzählbaren ‚Automaten‘, sind von Haus aus für echte Teetrinker reiner Sondermüll und käme den Anhängern dieser Heissgetränke nicht wirklich ins Haus. Egal ob ’smart‘ oder nicht.
    VG Stephan

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