Glotz nicht so!

Mittlerweile benötigt man ja aus Datenschutzgründen praktisch von jedem Kaktus, den man fotografiert, eine schriftliche Erlaubnis. Das ist einerseits gut, denn so landen keine Bilder von einer Person im Netz, die das nicht will. Andererseits erschwert es natürlich auch die ein oder andere Situation. Ich denke da zum Beispiel an einen Fall, der mir erzählt wurde, da gab es bei der Einschulung der Kinder ein Fotografierverbot. Erinnerungen an solch wichtige Tage gehen anders.

Aber natürlich gibt es auch Fotos, für die eine Erlaubnis mehr als sinnvoll ist – und die vermutlich niemals erteilt würde. Bilder von Unfällen nämlich, die von Gaffern dank allzeit griffbereitem Handy immer häufiger gemacht werden. Die eingebauten Kameras schaffen es sogar noch bei weitgehender Dunkelheit, gestochen scharfe Fotos vom abgetrennten Arm am Straßenrand zu machen. Mittlerweile – und das ist gut so – wird Gaffen recht hart bestaft. Bis zu 1.000€ können dafür fällig werden und wer sogar Unfalltote filmt oder fotografiert, dem blühen bis zu zwei Jahre hinter schwedischen Gardinen. Damit das gar nicht erst vorkommt, starten die Johanniter in den kommenden Monaten einen Test. Rettungswägen, Gerätetaschen und Sichtschutzwände werden mit einem bunten Muster überklebt. Das sieht dann so ähnlich aus, wie ein Erlkönig – das sind diese mit Tarnfolie beklebten Prototypen der Automobilhersteller, damit man die neue Form von Kotflügel und Co. optisch nur schwer erkennen kann.

Das Muster auf dem Rettungswagen ist allerdings nicht zur Tarnung gedacht. Es ist ein QR-Code, also ein 2-Dimensionaler Barcode. Hält ein Gaffer die Kamera auf ein Unfallopfer und der Sani ist im Bild, bietet die Kamera in praktisch allen iPhones und vielen Android Handys den Link zu einer Webseite an, die im QR-Code hinterlegt ist. Dort steht dann „Stopp! Gaffen tötet. Du behinderst Rettungskräfte und machst Dich strafbar.“ Eine gute Idee, wie ich finde. Zumindest bringt es dieses Thema mal wieder in die Presse und klärt auf.

Problematisch finde ich nur, dass die Idee nicht von den Johannitern selbst stammt, sondern von einer Werbeagentur. Ich befürchte ja, dass deshalb die mahnende Message irgendwann mit einem Sponsorenhinweis ergänzt wird. „Diesen Unfall präsentiert die Capitol Versicherung“ würde ich mir ja noch eingehen lassen. Ein Sponsoring der Landmetzgerei passt letztlich aber doch eher zum lokalen Fußballverein als zu den Johannitern.

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