Fliegendes Kriegsspielzeug

Wer schon mal eine Drohne gesteuert hat, weiß, dass das richtig Spaß macht. Dank Gyrosensoren und eingebauten Mini-Steuerungscomputer fliegen die fast alleine, weil die Sensorik immer nachjustiert und Fehler des „Piloten“ ausgleicht.

Ganz besonders ausgereift sind die Drohnen des wohl bekanntesten Herstellers DJI aus China, die zwischen 300€ und 2.800€ kosten. Die Fluggeräte übertragen in Full-HD oder 4K gestochen scharf aufs Handy, was unter ihnen zu sehen ist.

Das neueste Modell wirbt sogar mit einer Kamera von Hasselblad, dem Kamerahersteller, der schon bei der ersten Mondlandung für die Fotos zuständig war. Zudem fliegen die DJI-Drohnen nicht nur über 45 Minuten lang, sondern auch bis zu 15km weit.

Kein Wunder also, dass diese Hobby-Drohnen aktuell bei Russlands Angriffskrieg eine Rolle spielen. Im Vergleich zu den Millionen Euro teuren und tonnenschweren Militärdrohnen kann jede kleine Militäreinheit so eine 5kg leichte DJI mitnehmen, einen 15km Radius unbemerkt und gefahrlos auskundschaften und dann beschießen.

So werden mit kommerziellen Drohnen Menschen getötet. Da will man doch als Hersteller seine fliegenden Spielzeuge am liebsten abschalten, oder? Und das geht auch. Mittels der „Geofencing“-Funktion werden durch GPS-Koordinaten virtuelle Zäune um Bereiche gezogen, in denen die Drohnen dann einfach nicht fliegen. Das wird z.B. genutzt, um Drohnen von Flugverbotszonen wie Flughäfen, Krankenhäusern, Militäranlagen, Kraftwerken und Gefängnissen fernzuhalten.

Ukrainische Soldaten vor DJI Mavic 3 Drohnen

Der ukrainische Digitalminister hat DJI gebeten, seine Drohnen über dem gesamten ukrainischem Gebiet per Geofencing zu deaktivieren. Er ging sogar noch einen Schritt weiter. Weil diese Drohnen für die eigenen Streitkräfte immens wichtig sind, sollte DJI nur Drohnen über ukrainischem Gebiet deaktivieren, die in Russland, Syrien oder dem Libanon gekauft wurden.

Auch das wäre möglich. DJI hat die Forderung u.a. mit der etwas fadenscheinigen Begründung abgelehnt, dass dazu eine Onlineverbindung nötig sei und wenn die russische Armee die Drohnen offline betreibt, hätte das keine durchgehende Wirkung. Nun ja …

Leider werden Drohnen immer öfters zu unschönen Dingen eingesetzt. In Shanghai zum Beispiel werden damit Menschen überwacht und kontrolliert. Als am 05. April in einer großen Hochhauswohnanlage Chinesen aus Protest gegen die schlechte Versorgung während des Lockdowns singend auf den Balkonen standen, flog etwas vorbei und verkündete laut „Halte dich an die Covid-Beschränkungen. Kontrolliere den Wunsch deiner Seele nach Freiheit. Öffne nicht das Fenster und singe nicht.“ (Quelle weibo und Twitter) Und ich wette, die chinesische Polizei-Drohne hatte nicht nur einen Lautsprecher, sondern auch eine Full-HD-Kamera samt Gesichtserkennungssoftware an Bord. Beängstigend.


Bildnachweis: Amazon/DJI (oben) // Ukraine Armed Forces (unten)

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