Datenschutz schützt vor Allem was es gibt

Jedes Jahr das gleiche bei den Elternsprechtagen. Zwei Tage vorher hängt die Schule Listen aus, in die man sich eintragen kann. Also rasen Horden von gestressten Eltern in der Mittagspause mit dem Auto in Richtung Schule. Dort wird in zweiter oder dritter Reihe geparkt, der Verkehr zum Erliegen gebracht und dann mit Ellbogenhilfe der Weg zu den ausgehängten Listen gebahnt. Ist ein Lehrer schon ausgebucht, hilft der Zweitkuli und irgendein anderer wird kurzerhand durchgestrichen.

Um derartige Auswüchse zu verhindern, habe ich einer Schule ein Computerprogramm geschrieben. Kurz den Namen des ABC-Schützen in eine Webseite getippt, und sage und schreibe zwei Klicks später ist der gewünschte Termin beim Lehrer gemacht. Das war was, eine Dankesmail nach der anderen erreichte mich, so einen Service gab es schon lange nicht mehr, zwei Stunden gespart und so weiter.

Doch dann kam der Datenschutz und erklärte mir, dass das ja gar nicht geht. So könne jeder sehen, welcher Lehrer zu welcher Zeit in welchem Raum ist. Ein „potentieller Attentäter“ könnte dann gezielt in diesen Raum gehen. Ehrlich gesagt, fiel mir da nichts mehr ein. Der Datenschutz wird doch mittlerweile für alles herangezogen, was aus unerfindlichen Gründen nicht erwünscht ist. Und eine sinnvolle Begründung wird auch nicht gebraucht. „Aus Datenschutzgründen!“ reicht völlig aus, denn: alleine die Begründung auszusprechen verstößt … na klar,  gegen den Datenschutz.

Dass der „potentieller Attentäter“ den Lehrer früher auch ohne Computerprogramm durch die aushängen Listen gefunden hätte, wurde nicht in Betracht gezogen. Daher habe ich das den Herrn Datenschützer mal gefragt. Und auch, warum in Greifswald beim berühmten Poller an der Brücke jeder japanische Tourist filmen darf, bis die Speicherkarte raucht, die Kameras zur Überwachung der Funktionstüchtigkeit der Brücke aber nicht. Und ich habe gefragt, warum Facebook ungestört Dinge tut, die verboten sind. Und ich habe gefragt, warum ein Datenschützer wie Edward Snowden in Deutschland kein Asyl bekommt. Die Antwort fiel kurz und knapp aus: „Darf ich nicht sagen. Datenschutz!“

Ein Kommentar zu “Datenschutz schützt vor Allem was es gibt

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