Betreff: EILT!!!!!

Sehr geehrte Damen und Herren, in der Hauptstraße 17 brennt es lichterloh. Bitte kommen Sie schnell. Mit freundlichen Grüßen!

Eine derartige E-Mail an die Feuerwehr würde niemand schreiben. Wenn es brennt, dann muss es schnell gehen. Und deshalb gibt es nicht umsonst die Notrufnummer 112. Sie und ihre Schwesternummer 110 feiern in diesen Tagen ein Jubiläum, sie werden 50. Jahre alt. Die 110 und die 112 wurden 1969 in mehreren Landkreisen Nordwürtembergs eingeführt. Bundesweit durchgesetzt hat die Notrufnummer der „Dickschädel“ eines Vaters, wie es der damalige Postminister Horst Ehmke 1972 sagte. Dieser „Dickschädel“ ist Siegfried Steiger. Er verlor 1969 seinen Sohn Björn durch einen Atemstillstand, weil der Rettungswagen fast eine Stunde benötigte, um das Kind zu erreichen. Danach kämpften die Eltern für einheitliche Notrufnummern.

Ein Anruf bei der Notrufzentrale – also ein kurzes, persönliches Gespräch zwischen Melder und Retter – ist eindeutig die beste und schnellste Variante um die notwendigen Informationen abzufragen. Das hat sich auch in 50 Jahren Computer und Digitalisierung nicht geändert. Ein Tweet oder gar eine E-Mail sind für Notfälle denkbar ungeeignet.

Um so erstaunlicher mag es sein, dass ein so hochtechnologisches Gebiet wie die Raumfahrt auf die E-Mail in der Notfallkommunikation setzt. Auch hier wird ja gerade – mit der ersten Mondlandung – ein 50. Jubiläum gefeiert und es mutet fast schon antik an, wie Unfälle im All vermieden werden sollen. Drohen zwei Satelliten zusammenzustoßen, schreiben sich die Betreiber doch tatsächlich eine E-Mail.

So informierte am 28.August 2019 die US-Luftwaffe das amerikanische Weltraumunternehmen Space-X per E-Mail, dass sich einer ihrer Satelliten auf Kollisionskurs mit einem Satelliten der europäischen Raumfahrtorganisation ESA befindet. Diese E-Mail wurde – wieso, wird noch untersucht – übersehen oder landete im SPAM Ordner. Space-X bekam daher von der bevorstehenden Zerstörung zweier Satelliten nichts mit und zwang somit die ESA, wertvollen Treibstoff zu verbrennen, um dem Rambo-Satelliten auszuweichen.

Dass E-Mail für dringende Angelegenheiten unsinnig ist, hat übrigens schon ihr Erfinder gewusst. Ray Tomlinson kopierte im Herbst 1971 ein paar Zeilen Code von CPYNET, einem Programm für Dateitransfer, in SNDMSG.

Nun konnte ein Mensch Nachrichten von einem Rechner zu einem Menschen an einem Rechner schicken. Tomlinson fand das schlicht und einfach eine nette Idee und hat an Ausweichmanöver im All sicher nicht gedacht. Denn eigentlich – so sagte er einmal in einem Interview – gab es seiner Meinung nach keinen vernünftigen Grund, warum sich Menschen an verschiedenen Rechnern überhaupt Nachrichten schicken sollten.


4 Kommentare zu “Betreff: EILT!!!!!

  1. …und wenn man eine solche Mail oder einen Tweet an die Feuerwehr senden würde, bekäme man kurze Zeit später eine Mail von Amazon: Dieses Produkt dürfte für Sie interessant sein. Mit dem Foto eines Feuerlöschers. Oder eines neuen Wohnzimmerschranks.

  2. > Diese E-Mail wurde – wieso, wird noch untersucht – übersehen oder landete im SPAM Ordner.

    Denke ich eher nicht. Da wird wieder mal einer „Amerika first“ gesagt haben, … sollen doch die anderen ausweichen. Mir kommt da die Geschichte mit dem Kriegsschiff und dem Leuchtturm in den Sinn. :D

  3. Ist doch ein super Alibi…
    ich zwinge die anderen zum Handeln, spare selbst Treibstoff und niemand kann nachher behaupten ich hätte ihn nicht informiert…
    Was kann ich denn dafür wenn „die da drüben“ nicht rund um die uhr ihre E-Mails checken…

    lol… wäre ja beinahe lustig wenn es nicht mal wieder so typisch wäre.

    Die meisten Leute sind sich im Übrigen auch nicht im Klaren darüber dass eine E-Mail nicht Dokumentenecht ist…

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