Wenn Google deinen Höhepunkt kennt

Immer wieder habe ich das Gefühl, die Menschen denken, dass Datenschutz einfach nur nervig und langweilig ist. Dabei ist Datenschutz ein Recht. Und es gibt Menschen – Datenschützer – die aufpassen, dass uns dieses Recht nicht genommen wird. Von Behörden oder anderen staatlichen Stellen. Oder von privaten Firmen wie Google oder Facebook. Oder von Ihrer Krankenkasse. Das ist wichtig!

Der Taxidienstleister Uber hat schon 2012 die so genannten „Rides of Glory“ anhand der ihm vorliegenden Daten identifiziert. Also Fahrten von Kunden, die sich im Radius von 160m von ihrer eigentlichen Wohnadresse abholen ließen und maximal sechs Stunden später auch ein, zwei Straßen von zu Hause entfernt wieder ausstiegen. Die Anzahl dieser Fahrten fiel am Valentinstag gegen Null.

Am Tag der Steuerrückzahlung (ein Grund zum Feiern) hingegen in die Höhe. Das sieht verdammt danach aus, dass da der ein oder andere Ehepartner zwar Valentin zu Hause feiern muss, um den Schein aufrecht zu erhalten. Ansonsten vergnügt man sich aber gerne auswärts. Wer das so macht, das weiß Uber übrigens ganz genau.

Viel gefährlicher sind aber Fitness-Armbänder. Sie haben sogar schon geheime Militärbasen öffentlich gemacht. Die Armbänder übertrugen die Joggingrouten der User (auch von Soldaten) an den Hersteller der Fitness-App Strava der sie veröffentlichte. So konnte man auf Karten selbst im Niemandsland (Wüste, Berge, Steppe) die Umrisse der Militäreinrichtungen erkennen, weil die Soldaten am Zaun entlang joggten.

Die amerikanische Reporterin Jane Slater hat wegen so einem Armband letztens ihre Beziehung beendet. Das Paar teilte die Daten ihrer Fitness-Armbänder gegenseitig, um sich zum Workout zu motivieren.

Als Jane aber Ihren (Ex-)Freund überraschen und mit ihm frühmorgens seinen eben beginnenden Geburtstag feiern wollte, gab es eine böse Überraschung. Der Freund war nicht zu Hause, aber sein fitbit-Armband übermittelte an Jane ungewöhnlich intensive körperliche Aktivitäten mit starkem Herzschlag. Der Typ powerte sich gerade richtig aus. Aber halt nicht mit einem Sportgerät, sondern mit einer anderen Frau.

Die Vitaldaten – mitsamt Klimax – erhält übrigens auch fitbit, der Hersteller dieses Armbands. Die wissen daher auch, wann Sie kommen. fitbit wurde nun, im November 2019, verkauft. An Google. Für 2,1 Milliarden Dollar. Das Geld kommt sicher ruckzuck wieder rein. Durch den Handel mit den mitgekauften Daten. Wie gut, dass es in Deutschland und Europa Menschen gibt, die sich für uns um den „so langweiligen“ Datenschutz kümmern. Viele haben einfach noch nicht verstanden, wie gefährlich ihre Daten sein können. Wie sagte der Datenanalyst David Kriesel einmal so passend: Ob Deine Daten wichtig sind oder nicht, entscheidest nicht Du selbst. Das macht Dein Feind.


Bildnachweis:

Uber Rides of Glory: Von Ubers gelöschtem blog Eintrag, der hier noch abrufbar ist.

Heatmap: Strava Heatmap Screenshot

Jane Slater: Screenshot von Twitter hier

2 Kommentare zu “Wenn Google deinen Höhepunkt kennt

  1. Im September hat Sicherheitsforscher Mike Kuketz festgestellt, dass die Gesundheitsapp „Ada“ Nutzereingaben an die Trackingdienste Amplitude und Facebook und Aplitude übermittelte. U.a. eingegebene Symptome. Die Techniker Krankenkasse stellte daher die Kooperation mit Ada Health GmbH sofort ein. Ein beauftragter Sicherheitsdienstleister wird die Vorwürfe gegen Ada Health mit großer Wahrscheinlichkeit bestätigen.

    Die Hersteller von Gesundheits-Apps lügen wo sie nur können!

    Facebook aber gibt den App-Entwicklern die Schuld, dass Plugins Daten an Facebook übermittelt, ohne dass der Nutzer davon weiß – lächerlich. Facebook kann aus diesen Daten bspw. Sportgewohnheiten, Bluthochdruck oder Schwangerschaften ablesen.
    Vgl. Wall Street Journal: http://www.wsj.com/articles/you-give-apps-sensitive-personal-information-then-they-tell-facebook-11550851636
    und
    http://www.theverge.com/2019/2/22/18236398/facebook-mobile-apps-data-sharing-ads-health-fitness-privacy-violation

    Auch Sicherheitsforscher Martin Tschirsich prüft Gesundheits-Apps und hat zuletzt auf dem Chaos Communication Congress ein vernichtendes Urteil gefällt!

    Ich sehe hier Herrn Schrödel und Kollegen in der Pflicht – wenn es sein muss täglich – diese Betrüger zu entlarven und per Shitstorm und Online-Pranger in die Knie zu zwingen!

  2. „…Facebook kann aus diesen Daten bspw. Sportgewohnheiten, Bluthochdruck oder Schwangerschaften ablesen…“
    Anhand von Fitnessdaten weiß Facebook dann auch, wer der Vater ist :-D

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