Nix zu tun …

… Dank Corona. Anfang Mai schrieb die Süddeutsche Zeitung, dass bei der Arbeitsagentur für 10 Millionen Menschen in Deutschland Kurzarbeit angemeldet wurde. Hunderttausende Selbstständige, Gastronomen und Einzelhändler haben zudem seit Mitte März Soforthilfe beantragt. Nun geht es für die Wirtschaft langsam wieder los.

Außen vor bleiben aktuell nur Dinge, die vermeintlich nicht systemrelevant sind. Gemeint sind künstlerische Sachen wie Kino, Theater, Lesungen und Konzerte. Also die Dinge, die uns überhaupt erst durch die Zeit der Quarantäne gebracht haben. Versuchen Sie Ihre nächste Quarantäne doch mal ohne Musik, Bücher und Filme zu überstehen. Das geht gar nicht.

Auch ich habe seit Mitte März praktisch keine Arbeit mehr, weil keine Konferenzen stattfinden. Das wird auch noch einige Zeit so bleiben. Vielleicht sollte ich also doch wieder das machen, was ich mal gelernt habe: Programmieren. Softwareentwickler werden auch in Zeiten von Corona gebraucht. Ach, was schreibe ich da. Sie werden nicht „auch“ in Corona-Zeiten gebraucht, sondern „erst recht“ in Corona-Zeiten!

Das liegt daran, dass in den USA seit Mitte März 33 Millionen Menschen ihre Arbeit verloren haben. Alleine in der letzten Aprilwoche beantragten 3,2 Millionen Amerikaner erstmals Arbeitslosengeld. Und das ist die Chance für Programmierer. In New Jersey zum Beispiel werden gerade mehrere Softwareentwickler gesucht. Und zwar nicht vom Arbeitsamt, sondern im Arbeitsamt. Denn das System, mit dem die Arbeitslosen verwaltet werden, stößt gerade an seine Grenzen und muss erweitert werden.

New Jerseys Gouverneur Phil Murphy (62) sagte in einer Pressekonferenz, dass sie ein System haben, „das mehr als 40 Jahre alt ist„. Er ergänzte dann etwas, was einige Menschen erstaunte. Murphy sucht im Jahr 2020 Softwareentwickler, die eine Programmiersprache beherrschen, die uns in der Silvesternacht 1999 schon einmal beschäftigte – weil sie schon damals kaum mehr jemand konnte. Der Grund war das Jahr-2000-Problem. Gemeint ist die Programmiersprache, die die berühmte Grace Murray Hopper maßgeblich mitgestaltet hat und die Ende der 1950er entstanden ist.

Hopper ist die Frau, die 1947 den ersten Bug (englisch für Computer-fehler) gefunden hat. Er steckte in Relais 70 von Anschlussplatte F des Mark II Computers. Diesen Bug (englisch auch für Käfer) hat Grace Hopper mit Klebefilm ins Logbuch geklebt, obwohl der Bug gar kein Bug, sondern eigentlich eine Motte war. Die Seite ist heute ein Stück Computergeschichte und wird im Smithsonian Museum ausgestellt.

Sie merken schon, die gesuchte Programmiersprache ist richtig alt. So alt sogar, dass New Jerseys Gouverneur Phil Murphy COBOL gar nicht mehr kannte. Denn mehrfach sprach er von COBALT-Entwicklern. Und das ist echt Mist, denn dieses COBALT kann ich gar nicht. Also wieder nix zu tun.

2 Kommentare zu “Nix zu tun …

  1. Ich als Softwareentwickler kann bestätigen dass uns die Arbeit so schnell nicht ausgeht, gerade im onlineshopping-Bereich hat Corona so einiges angeschoben (Viele Einzelhändler nehmen ihre Onlineshops erst jetzt richtig ernst… es kommt ja kaum noch einer ins Geschäft)
    Andererseits zeichnen bei Bestandskunden auch Probleme ab, Insolvenzen etc.
    Man kann sich also nicht (mehr) aufd die Kundenbesis verlassen – und was einem da so alles im Praxiseinsatz begegnet, da sind bei deutschen Unternehmen auch Softwareteile im Einsatz, die durchaus in COBOL geschrieben sein könnten.
    Teilweise auf DOS-Basis, teilweise selbstz zusammengestrickte EXCEL-Formulare oder ACCESS-Anwendungen die mal ein Student oder Ferienjobber da gemacht hat, die seit 15 Jahren im Einsatz sind und seit die Leute nicht mehr da sind auch nicht mehr erweitert oder angepasst wurden etc.
    Ich bin mehr damit beschäftigt Tools für Datenumwandlung, Im- und Export in verschiedene Formate etc. zu schreiben als irgendwas sonst.

    Vielleicht ist das eine längstüebrfällige Konsolidierung bzw. notwendige Erneuerung – Vielleicht bricht der zusätzliche (kosten-) Aufwand aber auch manchem Kleinbetrieb das Genick…

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