Mitfahrgelegenheit mit Fensterplatz

Am 20. November 1985 kam das allererste Windows auf unsere Computer. Jetzt, knapp 30 Jahre später ist Windows 10 fertig und wird bereits verteilt. Ja, verteilt. Man muss es gar nicht mehr kaufen. Erstmals gibt Microsoft ein neues Windows kostenlos her – zumindest sofern man schon eine gültige Version der Vorgängerversion Windows 7 oder 8 hat.

Bedenkt man, dass die Firma aus Redmond, USA einen Großteil ihrer Umsätze mit dem Verkauf von Betriebssystem-Lizenzen macht, dann ist das erstaunlich. Tatsächlich steckt aber Kalkül hinter der Entscheidung. Microsoft möchte kein zweites XP-Desaster haben. Das 2001 veröffentlichte Windows XP war (ist!) nämlich so gut und so stabil, dass viele Nutzer immer noch nicht auf Vista, Windows 7 oder 8 upgedatet haben. Im März 2015 liefen immer noch 17% aller Rechner mit XP – trotz fehlender Pflaster für aktuelle Sicherheitslücken.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert (inbesondere Windows 7 hat ja sehr viele zufriedene User) wird das Update auf Windows 10 nun ein Jahr lang verschenkt. Wer es später haben möchte, muss dann bezahlen. Kluge Idee.

Aufgrund der zu erwartenden hohen Nachfrage hat Microsoft Bandbreite in einer nie dagewesenen Größenordnung angemietet. 40 Terabit pro Sekunde – das entspricht in etwa 2,5 Millionen 16.000er-DSL-Anschlüssen Weil aber selbst das nicht ausreichen wird, greifen die Redmonder recht dreist in die Trickkiste. Sobald Windows nach Microsoft-Definition (!) annimmt (!), dass der frisch upgedatete Rechner von Ihnen (!) gerade nichts zu tun hat, verteilt die „Windows Update Delivery Optimization“-Funktion es über Ihren (!) DSL-Anschluss an wildfremde (!) User.

Im Prinzip ist das nichts anderes als ein Peer-to-Peer Netzwerk über das sonst illegal Kinofilme getauscht werden. Hoffen wir also, dass ihr Rechner das Update nicht zufällig an jemanden überspielt, der gar keine gültige Lizenz hat. Das dürfte – streng juristisch gesehen – für eine Abmahnung reichen.

Man trying to putting a travel bags into a carIm Ernst: Geht’s noch, Microsoft? Wenn ihr meine Ressourcen nutzen wollt, die ich bezahle, dann fragt gefälligst vorher nach. Ich lege doch auch nicht ungefragt einen Koffer in die Dienstwägen Eurer Manager – selbst wenn da noch Platz ist. Euer „optimierter Update Service“ braucht nur eines: selbst ein Update.


Bildnachweis: photographee.eu via fotolia

3 Kommentare zu “Mitfahrgelegenheit mit Fensterplatz

  1. Hier fehlen irgendwie viele Punkte. Einerseits ist es deaktivierbar und andererseits ist es wahrscheinlicher, dass du Daten sparst, als dass Microsoft sie verschwendet, da es zuerst auch innerhalb des Netzwerks die Updates verteilt. Hast du drei Rechner, lädt im Idealfall nur einer das Update und der Rest nicht. Ich sehe hier also eher eine Besserung statt eine Verschlimmerung der Datennutzung… Oder stellst du auch Windows Update allgemein ab, weil die Updates ja unnötige Bandbreite ziehen? Da kann man auch gleich den PC verkaufen ;)

    • Da sind wir sogar fast einer Meinung. Die Idee an sich ist völlig in Ordnung. Ich hab mein Problem damit, dass das nicht transparent ist und ich nicht – voher! – selbst entscheiden kann, ob ich das will.
      Und: Für Fortgeschrittene ist das Dekativieren sicher kein Problem, weil sie die Foren und entsprechende Presse verfolgen. „Oma Kasuppke“ wird das nicht verstehen.
      Es kommt also wohl darauf an, von welchem Blickwinkel man die Funktion betrachtet. Viele Grüße und Danke für den Kommentar!

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