In Heber City, Utah, hat sich ein Polizist in einen Frosch verwandelt. Kein Märchen der Gebrüder Grimm, sondern Realität – zumindest, wenn man dem offiziellen Polizeibericht glaubt. Und der wurde, so viel sei verraten, nicht von einem menschlichen Wesen verfasst, sondern von einer künstlich intelligenten Sprachauswertung. Dass das nicht immer gut ausgeht, ahnt man schon. Aber der Reihe nach.
Polizisten haben ja schon oft bewiesen, dass sie ein Herz für Kinder haben. Ob mit Teddybär und Schokolade auf der Wache, Blaulicht-Spaß für den Nachwuchs oder Mini-Ermittler-Urkunden für Kita-Gruppen – Polizei kann auch pädagogisch. Darum wäre es auch nicht völlig abwegig gewesen, wäre ein Officer mal eben in ein Froschkostüm geschlüpft, um einem Kind ein Lächeln zu schenken. Aber nein, diesmal war es anders. Ganz anders.
Die Polizei von Utah testet gerade eine neue Software namens „Draft One“ des Herstellers Axon. Der Anbieter – bekannt für Bodycams und Elektroschocker – verspricht: Weniger Schreibkram, mehr Streifenzeit. Sechs bis acht Stunden Schreibarbeit könne das Programm jedem Officer pro Woche ersparen, so der Hersteller. Die Idee: Tonaufnahmen der Bodycams werden nach einem Einsatz per KI automatisch in Einsatzberichte umgewandelt. Ohne, dass ein Mensch etwas dazutun muss. Und das klappt … fast.
Bei einem Einsatz in einer Wohnung befragte ein Officer jemand. Im Hintergrund dieser Befragung lief ein Fernseher mit dem Disney-Film „Küss den Frosch“ und die dortigen Gespräche zwischen dem grünen Frosch (eigentlich ein verzauberter Prinz) und der bezaubernden Tiana landeten auf der Bodycam-Aufnahme.
Dummerweise konnte die KI später nicht zwischen dem echten Gespräch und den Dialogen aus dem Film unterscheiden. Für sie war nicht klar, welche Sätze aus dem TV-Gerät kamen und welche aus dem Mund der anwesenden Menschen. Und so mixte sie die Disney-Geschichte mit der Realität und „hörte“ heraus, dass der Officer sich während der Befragung in einen Frosch verwandelte. Genau so stand es dann auch im Bericht. Und wer will da noch widersprechen – es war ja auf Band.
Lustig? Ja. Harmlos? Diesmal. Aber was passiert, wenn im Hintergrund statt einem Disney-Zeichentrickfilm ein Krimi läuft? Und wenn dann vielleicht von Waffen die Rede ist. Oder einem fehlenden Alibi. Einem Motiv! Oder wenn der Gärtner (der ja bekanntlich immer der Mörder ist) im Film ein Geständnis ablegt – und das in den offiziellen Bericht einer realen Befragung wandert? Was, wenn Fiktion und Fakten nicht mehr sauber getrennt werden?
Dann wird aus der Zeitersparnis schnell ein Über-Problem. Wer sich zu sehr auf die übermächtigen Fähigkeiten von KI verlässt und beim Überprüfen nur oberflächlich überfliegt, verliert den Überblick. Und übersieht beim Überfliegen die übernommenen Übertreibungen. Das kann niemand verantworten. Es hilft nur: Überlegen, überwachen, überarbeiten – bevor man irgendwas übernimmt. Na, überzeugt? Überzeugt! Quak.
Bildnachweis: Screenshot aus Trailer // Polizeifrosch: Tobias Schrödel mit chatGPT