Auf Sand gebaut

Unsere Gesellschaft funktioniert nicht mehr ohne Computer. 
Um Computer zu bauen, benötigt man aber SELTENE Erden. 
Sind wir eigentlich wahnsinnig?

Wenn es morgen kein Eisen mehr gibt, können wir keine Autos und keine Eisenbahnen mehr bauen. Wenn es morgen kein Kupfer mehr gibt, dann ist es vorbei mit effizienten Stromkabeln. Das wird nicht passieren, weil Eisen und Kupfer in schier unbegrenzter Menge und leicht abbaubar in unserer Erdkruste vorhanden sind. Auch hätte sicherlich kein Industriezweig seine gesamte Existenz auf ein Material aufgebaut, wenn dieses nur sehr selten zu finden wäre. Oder?

Wenn es morgen kein Lanthan mehr gibt, dann gibt es keine Laptop-, Smartphone- und Elektroauto-Akkus mehr. Wenn es morgen kein Europium mehr gibt, dann können keine Computermonitore mehr hergestellt werden. Das kann passieren, weil es sich bei Lanthan und Europium um Metalle handelt, die wir SELTENE Erden nennen. Und die Menschheit hat ihre gesamte Infrastruktur auf diesen SELTENEN Materialien aufgebaut.

Nahezu alles was wir heute nutzen, funktioniert doch nur noch mit Computern. Flugzeuge, Autos, Herz-Lungen-Maschinen, Kernkraftwerke, U-Bahnen, Supermarktkassen, die Trinkwasserversorgung, Banken … das Internet. Haben wir unsere Gesellschaft wirklich auf Sand gebaut? Ja, sind wir eigentlich wahnsinnig?

Die Antwort lautet Ja und Nein. Nein, weil SELTENE Erden gar nicht so selten sind wie man annehmen möchte – sie sind nur gleichmäßiger in der Erde verteilt. Laut einem Artikel in New Scientist werden die bekannten Vorkommen seltener Erden noch viele Jahrzehnte ausreichen. Wenn Sie aber in einer Eisenerzmine einen Eimer füllen, haben sie sofort fast den ganzen Eimer voll mit Eisenerz. Machen Sie das gleiche in einer Mine für Europium, dann haben sie ein paar Millionen Krümel Erde und Dreck im Eimer – und ein paar Krümelchen Europium – die sie auch noch mit reichlich Chemie vom Rest im Eimer trennen müssen.

Um also eine vergleichbare Menge Eisen und Europium zu gewinnen, müssen Sie – bildlich gesprochen – einmal eine Schaufel in die Erde rammen (Eisen) und andererseits ein ganzes Fußballfeld drei Meter tief umgraben (Europium).

Chinesische Mine für seltene ErdenNeben China werden insbesondere Länder, die heute noch arm sind und großen Vorkommen an seltenen Erden (z.B. Bolivien) haben, wegen der guten Preise kaum Scheu zeigen, gigantische Flächen Regenwald und Landschaften dem Erdboden gleich zu machen und mit Chemie vollzupumpen.

Das ist das Ja in der Antwort auf die Frage, ob wir wahnsinnig sind.


Bildnachweis: Bayan-Obo-Mine, China (Innere Mongolei), Nasa (Public Domain) http://de.wikipedia.org/wiki/Bayan-Obo-Mine

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