Hochzeiten gehören zu den letzten Ritualen, bei denen vermutlich sogar Technik-Freaks mal das Smartphone aus der Hand legen. Zudem will kein Mensch, dass der Standesbeamte „Ich will“ in die Google-Suche eintippt, sondern dem doch formellen und bürokratischen Akt einer standesamtlichen Trauung etwas Romantisches verleiht. In den Niederlanden wurde dieser fromme Wunsch nun digital gegen die Wand gefahren. Denn: Eine Ehe wurde dort für nichtig erklärt – weil ChatGPT die Traurede geschrieben hat. Klingt nach Science-Fiction mit Standesamtstermin, ist aber Realität.
Ein Paar aus Zwolle wollte modern heiraten – mit einem sogenannten Eendags-Babs. Das ist ein Freund, der bei der Trauung die Rolle des Standesbeamten übernehmen darf. Quasi ein Standesbeamter für einen Tag aus dem Umfeld des Paares. Der echte Beamte steht dann nur in der Ecke und überwacht den bürokratischen Vorgang. Der Eendags-Babs unserer Geschichte sollte eine locker-flockige Rede halten, eben nicht dieses klassische „Hiermit erkläre ich euch…“ – sondern mehr „Alexa, mach’s romantisch“. Und weil der Freund offenbar mehr Nerd als Notar ist, ließ er die Rede einfach von ChatGPT schreiben. Hätte er besser nicht gemacht. Denn so wurde die Trauung letztlich zu einem Trauerfall.
In den Niederlanden gibt’s klare Spielregeln für das Jawort – und die stehen nicht in den Chatbot-AGB, sondern im Zivilrecht. Damit eine Ehe gültig ist, muss der (echte wie der falsche) Standesbeamte eine bestimmte Formel aufsagen, das Paar muss diese akzeptieren und alle müssen verstanden haben, dass hier kein Poetry Slam, sondern ein hoheitlicher Akt stattfindet. ChatGPTs Rede war aber mehr Lyrik-Generator mit Herzchen-Emojis – und ließ die entscheidenden rechtlichen Passagen einfach weg. Statt „Willst du…“ gab’s ein lauwarmes „Ihr habt euch gefunden…“ – was zwar nett klingt, juristisch aber genauso wirksam ist wie ein Glückskeks. Der überwachende, echte Standesbeamte hat da wohl gerade gepennt oder die heißen Brautjungfern beglotzt. Denn er hat schlichtweg überhört, dass das notwendige Gelübde nie gesagt wurde. Etwas mehr bei der Sache war hingegen sein Kollege, der bei einer späteren Anhörung der Bänder den Fehler erkannte und die Ehe daraufhin annullieren ließ.
Auch ein mit dem Fall beschäftigtes Gericht in Overijssel überlegte nicht lange: Kein gültiger Wortlaut, keine gültige Ehe. Zack – gelöscht aus dem Eheregister. Auch der Wunsch des Paares, das Hochzeitsdatum als „emotionalen Erinnerungswert“ stehen zu lassen, wurde abgelehnt. Gesetz ist Gesetz.
Die Moral von der Geschicht? Wer bei der Hochzeit auf Künstliche Intelligenz setzt, sollte vorher klären, ob die KI auch verbindliche Zusagen liefern kann – und nicht nur romantische, aber unverbindliche Worthülsen.
Sonst heißt’s am Ende nicht „Bis dass der Tod euch scheidet“, sondern: „Session abgelaufen – bitte neu heiraten.“
Wie durchgeknallt muss man dazu sein? Vielleicht müsste man untersagen, bei der Planung einer Hochzeit bestimmte Stoffe zu konsumieren.