So lässt sich der neueste Bericht über den Umgang des Facebook-Mutterkonzerns mit betrügerischer Werbung zusammenfassen. Da gab es nämlich eine interne Taskforce, die das Chaos rund um Fake-Shops, Scam-Ads und Klickbetrügereien aus China deutlich eindämmen konnte – mit messbarem Erfolg. Die Quote der krummen Anzeigen ging runter, Nutzer bekamen weniger Spam zu sehen, und selbst Metas Sicherheitsleute klopften sich auf die Schulter. Doch dann kam offenbar jemand aus der Chefetage vorbei, sah die sinkenden Werbeeinnahmen und murmelte: »Das war jetzt aber genug Sicherheit.«
Denn was viele nicht wissen: Chinesische Firmen geben jedes Jahr Milliarden für Werbung auf Facebook aus – obwohl Facebook in China gesperrt ist. Wie das zusammenpasst? Ganz einfach: Die Zielgruppe ist nicht China, die sind wir. Europäer, Amerikaner, Australier – das Einkaufsvolk. Und was da über fragwürdige Agenturen und Zwischenhändler an Werbung durch die Meta-Rohre gedrückt wird, ist oft nicht mehr als gut designter Betrug im Hochglanzformat. Kleider, die nie ankommen. Elektronik, die nie existierte. Angebote, so heiß, dass sie nur auf dem Papier schmelzen.
Und Meta? Hat offenbar stillschweigend mitverdient. Denn laut internen Zahlen könnten bis zu 19 Prozent der chinesischen Werbeumsätze auf Scam-Ads entfallen. Das ist kein Taschengeld, das ist eine goldene Gans mit gefälschtem Etikett. Und so ist der ethische Kompass wohl eher ein Marketingtool: man schwenkt ihn öffentlichkeitswirksam, lässt ihn aber diskret in der Schublade verschwinden, wenn er anfängt, beim Geldzählen zu stören.
Dabei war der Erfolg der Anti-Betrugs-Taskforce durchaus beeindruckend: Die Zahl betrügerischer Anzeigen ging signifikant zurück, teils halbierten sich die Einnahmen aus Scam-Kampagnen. Doch just in dem Moment, in dem man dachte, Meta hätte endlich die Kurve bekommen, wurde das Projekt stillgelegt. Angeblich aus »strategischen Gründen«.
Ein Konzernsprecher erklärte gegenüber Reuters, dass die Arbeit des Betrugsbekämpfungsteams immer nur temporär sein sollte. Es gehe darum, Aktionen gegen Betrug aus aller Welt voranzutreiben. Es würden jeden Monat Millionen betrügerischer Anzeigen gestoppt, »üblicherweise, bevor jemand sie zu sehen bekommt«. Auf viele Fragen von Reuters ist der Pressesprecher aber gar nicht erst eingegangen. Übersetzt heißt das wohl: Sicherheit ja, aber bitte nur, solange es nicht die Kasse belastet.
Und so bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Denn wer als Plattform den globalen Basar für Milliarden Nutzer stellt, muss auch für die Sicherheit auf dem Basar sorgen. So, wie auf den Weihnachtsmärkten in Deutschland die Betreiber (leider) viel Geld für Poller und Sicherheitspersonal ausgeben müssen. Sonst gibt es keine Genehmigung und irgendwann kommt auch keiner mehr. Auf dem digitalen Marktplatz ist das ähnlich. Wer nicht in Sicherheit investiert, sollte sich nicht wundern, wenn er irgendwann nicht mehr als Marktplatz, sondern als Jahrmarkt der Taschendiebe wahrgenommen wird.
Das alles zeigt: Betrug zu erkennen ist möglich. Ihn nicht zu bekämpfen – das ist eine Entscheidung. Und Meta hat sie getroffen. Man könnte sagen: Sie haben den Schwindel erst mal aus dem System entfernt – und ihn dann in die Bilanz zurückgebucht.
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