Wer einen Internetanschluss mit Glasfaser hat, kann von Glück reden. Rasend schnell, stromsparend, störungsresistent. Die alten Kupferleitungen schaffen ja nicht ansatzweise die Internet-Geschwindigkeit einer optischen Leitung. Allerdings muss man auch sagen, die guten alten Kupferleitungen hatten einen Vorteil: sie schmecken nicht so gut.
Eigentlich sollte der britische Anbieter „Broadway Partners“ durchstarten und die ländlichen Regionen rund um London mit superschnellem Internet versorgen. Doch dann kam der Hightech-GAU auf vier Pfoten. Ratten entdeckten offenbar, dass sich in der Erde nicht nur Wurzeln und Regenwürmer finden lassen, sondern auch ein verlockend duftendes Kabelbuffet. Und das hatte es in sich – oder besser: bestand aus etwas, das man besser nicht verlegen sollte, wenn man hungrige Nager in der Nachbarschaft hat.
Das Problem von Rattenbiss an Glasfasern ist nicht neu. Die Schneidezähne der Nager wachsen ein Leben lang und müssen daher auch regelmäßig geschärft werden. Die harte Kunststoff-Ummantelung von optischen Leitungen bietet sich dafür regelrecht an, weshalb Ratten gerne in die Kabel beißen. Manchmal, nur manchmal, knabbern sie so fest, dass die Glasfaser in der Mitte bricht und kaputt geht. Sehr viel häufiger tritt dieses Problem auf, wenn es ihnen schmeckt.
So, wie bei „Broadway Partners“, die aus Umweltliebe und mit Rücksicht auf die Nachhaltigkeit auf eine Ummantelung gesetzt haben, die biologisch abbaubar ist. Was im Marketing nach „grüner Zukunft“ klingt, wurde im Erdreich zum Gourmet-Menü. Statt Plastik enthielten die Kabelhüllen nämlich Bestandteile aus wunderbar duftender Maisstärke und Soja. Quasi ein All-you-can-eat-Buffet, wie beim Chinesen um die Ecke. Und so wurde das Kabelnetz nicht biologisch abgebaut, sondern ratz fatz abgekaut. Die Folge: Ein notwendiger Investor sagte aufgrund des desaströsen Zustands des Leitungsnetzes von einer Übernahme des verschuldeten Unternehmens ab, was zur Insolvenz des rattengeplagten Internetanbieters führte. Deren 25.000 verbliebenen Kunden schauen jetzt sprichwörtlich in die leere Maismehl-Röhre.
In der Welt der IT-Sicherheit fürchtet man sonst Zero-Day-Exploits, Stromausfälle oder schlecht gepatchte Router – aber wer rechnet schon mit einem Rattenschwarm, der sich durch die digitale Zukunft frisst? Der Schaden war nicht nur physisch, sondern auch wirtschaftlich fatal. Und so wurde aus nachhaltiger Technologie ein Fall für den Kammerjäger.
Die Moral von der Geschichte? Wer beim Netzausbau auf Bio setzt, sollte vorher klären, wer alles mitessen will. Denn wenn die Glasfaser einmal auf der Speisekarte steht, hilft kein Antivirus mehr – sondern nur noch eine gute Rattenfalle. In diesem Fall hatten die Nager das letzte Wort. Beziehungsweise den letzten Biss.
Spruch der Woche für mich: „Wer beim Netzausbau auf Bio setzt, sollte vorher klären, wer alles mitessen will.“ – ohne dass ich ein Grünen-Hasser wäre ;-)