Na? Haben Sie den Geruch von frisch gemahlenen Bohnen röstfrischen Kaffees schon in der Nase? Toll! Für viele Menschen ist Kaffee über den Tag ja nicht nur ein Genuss-, sondern eher ein Überlebensmittel. „Ohne Kaffee brauch ich gar nicht anfangen zu arbeiten.“ Oder „Moment Kollege, erstmal ne Tasse Koffein, dann das Formblatt.“ Das sind typische Sprüche, die sicher jeder schon mal so oder so ähnlich gehört hat.
Kaffee gehört zu den rentabelsten Waren, die es gibt. Insbesondere im Coffee-to-go-Geschäft. Laut einer Statista-Studie von 2020 werden dort mit nur 20 Prozent der insgesamt in Deutschland verkauften Menge Kaffee etwa 75 Prozent des Umsatzes generiert. Rund 60 Prozent (eher mehr) an Gewinn pro Becher bleiben hängen – je nach Lage und Fixkostenanteil des Ladens, so heißt es. Kein Wunder also, dass es an Kaffeeverkaufsstellen nicht gerade mangelt.
Damit insbesondere regelmäßige Kunden kommen und Espresso, Latte, Cappuccino oder gar Caramel- und Hazelnut-Macchiato trinken, bieten sogar die großen Ketten wie Starbucks bequeme Sitzplätze und Arbeitsecken. Dort kann man in Ruhe Mails beantworten und einen Mokka schlürfen. Und dann soll man wieder gehen, am besten morgen wiederkommen und den nächsten Kaffee bezahlen.
In Südkorea läuft das gerade anders. Da wollen Starbucks und Co. das Gegenteil. Es ist nicht erwünscht, dass man dort seine Mails liest und den Koffeinpegel anhebt. In Seoul und anderen Städten will man, dass Du die überteuerte heiße Brühe in einem Becher holst und möglichst schnell wieder verschwindest. Warum? Ganz einfach … weil da die Mieten für Wohn-, Gewerbe- und Büroimmobilien so extrem teuer sind. Und weil es so verdammt teuer ist, ein Büro oder ein Zimmer mit Platz für einen Schreibtisch zu mieten, gehen laut der BBC 70 Prozent der Studierenden regelmäßig zu Starbucks zum Lernen. Stundenlang. Mit entsprechender Ausbreitung von Büchern (Mehrzahl!) am Platz und Nutzung der Steckdosen zum Laden des Handys. Manche sind sogar so frech, dass sie ihr Studienzeugs längere Zeit unbeaufsichtigt lassen und woanders essen gehen.
Noch schlimmer sind jedoch die Selbständigen, die sich kein Büro leisten können oder wollen. In Seouls Stadtteil Daechi beschwert sich Cafébetreiber Hyun Sung-joo, dass sich letztens ein Kunde einen Arbeitsplatz mit zwei Laptops und einer Steckdosenleiste mit sechs Anschlüssen zum Laden diverser Geräte eingerichtet hat. Bei den hohen Mieten lässt sich mit solchen Gästen auch bei 60 Prozent Marge kein Café betreiben. Sung-joo wurde den lästigen Gast nur los, weil er die Steckdosen blockierte.
Dass das Thema wirklich ein Problem darstellt, zeigt sich daran, dass es mittlerweile Verbotsschilder gibt, die absurder nicht sein könnten. Und zwar deshalb, weil Verbote eigentlich nur dann ausgesprochen werden, wenn mindestens einer schon mal auf die Idee kam, etwas zu tun, was andere blöd finden und sie stört. In den südkoreanischen Filialen hängen tatsächlich Schilder, auf denen die Koffeinjunkies und Arbeitsplatzbesetzer gebeten werden, das Mitbringen eigener Monitore und Drucker in die Starbucks-Filialen zu unterlassen.
