Wie Leder

Die Geschichte des Wischtuchs ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Selbst die Mutter aller Wischtücher stieg aus Abfall empor, wie einst Phönix aus der Asche. Ingenieure der Firma Freudenberg sahen nach dem zweiten Weltkrieg, dass Putzfrauen die Abfälle aus ihrer Produktion von Fließstoff zum Reinigen der Fenster nutzten. Und weil Profis nunmal gerne Profimaterialien nutzen, blieb den Freudenberg-Ingenieuren nichts anderes übrig, als die Idee aufzugreifen und aus den Abfällen ein Wischtuch für Glas zu entwickeln. Ein Wischtuch? Nein, DAS Wischtuch aller Wischücher. Unter dem Namen Vileda finden Sie es heute noch praktisch in jedem Supermarkt. Sein Name ist übrigens Programm: Das Tuch fühlt sich so an, wie es heißt.

Platz 1 der Wischtücher muss Vileda nun aber möglicherweise an einen anderen Hersteller abtreten. Und die neue Konkurrenz ist auch noch deutlich jünger. Freudenberg wurde vor über 170 Jahren gegründet, der neue Wettbewerbsbegleiter unter den Wischtuchherstellern erst 1976. Und dessen Namen kennt jedes Kind. Apple. Genau. Apple. Die, die die iPods erfunden haben, das iPhone, das iPad, die earpods, die Macbooks, die iMacs und so weiter und so weiter. Vor einigen Monaten hat Apple wieder eine Erfindung rausgehauen. Apples M1 Chips sprengen alle Rekorde in Sachen Geschwindigkeit und Energieeffizienz, so dass Chipriese Intel aussieht, wie ein hinterwäldlerischer Tante-Emma-Laden. Und letzte Woche kündigte Apple erneut einen Quantensprung an. Und ich meine nicht, die erneut um bis zu unglaubliche 70% schnelleren Chips M1 Pro und M1 Max. Nein, Apple hat nun auch ein Wischtuch im Programm. Kein Scherz. Ein Wischtuch. Speziell für die Displays der iPhones, Macbooks und iMacs.

Und Apple wäre nicht Apple, wenn sie dieses Wischtuch nicht so vertreiben würden, wie es einer Tech-Firma würdig ist. Apples Wischtuch kommt mit einer Kompatibiltätsliste. Es gibt tatsächlich eine Liste von über 80 Apple Produkten, die man mit dem Wischtuch putzen darf. Noch besser ist aber der Preis. 25€ kostet der Lappen im Apple-Store. 25€ … für ein Wischtuch.

Glauben Sie aber bloß nicht, dass das abschreckt. Das Ding ist aktuell ausverkauft und es wird bereits eine Lieferzeit bis Ende Dezember angegeben. Kleiner Tipp, falls Ihr Bildschirm dreckig ist: schauen Sie doch mal in den Supermarkt. Da hängt ein Wischtuch aus Abfall für 2,50€ rum. Mit dem machen die Profis Glas sauber. Und „Achtung Spoiler“! Der billige Lappen tut es auch für den Monitor.

Ein Kommentar zu “Wie Leder

  1. Apple Produkte waren lange Zeit Innovationsführer. Sie gehören noch heute zur Gruppe der Premiumhersteller. Offenbar macht das aber betriebsblind. Eine alte Weisheit im Markt und das gilt auch für Premiumhersteller: „Wenn man´s übertreibt, dann verliert man Kunden“. Apple hat nun unbetritten eine größe Anzahl von Jüngern. Aber es bröckelt derzeit gewaltig, zumal es mittlerweile Hersteller gibt die Produkte in ähnlicher Güte und Qualität produzieren und die nicht durch solche ausufernde Preisvorstellungen auffallen. Und zum Thema ausverkauft … es kommt immer drauf an, wie viele ich davon produziere. Was künstliche Verknappung bewirkt, sehen wir immer wieder an den Preisen für Treibstoff..

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