Joggen für den Feind

Ich glaube, dass ich damals sechzehn Jahre alt war, bin mir aber nicht mehr sicher. Da bin ich mit einem Freund zum Zelten geradelt. Unser Ausflug ging damals zum Ammersee – wenn ich mich recht erinnere, auch wenn ich mir nicht 100% sicher bin. An die Strecke, die wir geradelt sind, kann ich mich auch nicht mehr erinnern, aber offenbar sind wir irgendwie angekommen. Ich weiß auch nicht mehr, ob das ein Wochenende war oder ob wir die Schulferien genutzt haben. Ich müsste mal nachschauen. Nur wo?

Hätte es zur damaligen Zeit schon smarte Fitnessarmbänder gegeben, ich hätte eines getragen und hätte all das heute nachprüfen können. Mit einem Fitnessarmband hätte ich gewusst, wie hoch mein Pulsschlag auf der Radltour war, wann wir wie lange Pause gemacht haben und – dank GPS und Verknüpfung zum Handy und zur Cloud – hätte ich sogar die exakte Route samt Tag und Uhrzeit nachschauen können.

Fitnessarmbänder wie Jawbone oder Fitbit sammeln heute all die erfassten Daten eines Sportlers mittels einer Fitness-App wie Runtastic oder Strava und senden diese Informationen zum Teil auch an den Hersteller. Mit diesen Daten lassen sich ganz lustige Sachen machen. Strava zum Beispiel hat auf einer Weltkarte mal alle Routen eingezeichnet, die Jogger mit Strava-App zwischen 2015 und 2017 gelaufen sind. Das sind 2 Billionen GPS Punkte!!! Orte wie der Central Park in New York sind – das sieht man sehr deutlich – gern genutzte Lauftstrecken.

Heatmap mit Routen der Fitness-App StravaAllerdings sieht man auch, wo sich überwiegend amerikanische Soldaten und Geheimdienstler fit halten. Auf geheimen Militärbasen in der Wüste nämlich, die sonst auf keiner Karte verzeichnet sind. Wenn der russische Geheimdienst also glaubt, dass  südlich von Camp Lemonnier auch ein kleiner CIA Stützpunkt ist, dann muss er nur nachschauen und weiß dann anhand der Fitnessdaten, dass da wirklich was sein muss.

Für die Amis ist das ein ernsthaftes Sicherheitsproblem und gerade wird heftig diskutiert, wer für diese Sicherheitslücke verantwortlich ist. Die Agenten und Soldaten, die dort mit Fitnessarmband rennen, oder der Hersteller, der diese Daten veröffentlicht hat?

Meines Erachtens ist das Militär selbst schuld. In einem Programm gegen Übergewicht bei Soldaten haben sie 2013 nämlich selbst mehrere tausend dieser Fitness-Armbänder verteilt. Haha.

Vorschlag von mir, wenn ihr das nächste Mal etwas gegen Übergewicht bei Soldaten tun wollt, ohne dabei ein Sicherheitsrisiko zu erzeugen: Streicht einfach die Cheeseburger in der Kantine!


Bildnachweis: Screenshot Strava Heatmap

Danke an Julian Blumenstingl für den Themenvorschlag

2 Kommentare zu “Joggen für den Feind

  1. Tja, ein zunehmendes Problem. Wir veröffentlichen freiwillig unsere Daten, Aktivitäten und Fotos in Facebook, Twitter, Whats App und Derivate. Wir teilen Siri, Alexa und Co. z.B. mit, wohin und wann wir in den Urlaub gehen wollen, welche Filme oder Veranstaltungen uns interessieren. Wir steuern unser Smart Home von extern und öffnen teilweise riesige virtuelle Fenster und Türen in unser Priavatleben. Mittels unfachgerecht eingerichteter Kameras in unseren Räumen können Außenstehende sogar visuelle / akustische Eindrücke aus unseren Räumen gewinnen. Nur eines wollen wir offenbar nicht wahrhaben, dass irgendwo jemand sitzt, der all diese Daten sammelt, daraus Informationen über uns gewinnt und diese gewinnbringend einsetzt.

  2. Interessant finde ich, dass scheinbar so harmlose Daten („wer wird sich denn schon für meine Jogging-Strecke interessieren“) plötzlich eine Relevanz bekommen, die die Sicherheit von Soldaten gefährdet.

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