Drive-by-Werbung

Vor fast 30 Jahren, genauer gesagt 1993, präsentierte Anna Nicole Smith Dessous für H&M. Die aufreizenden Plakate hingen in der ganzen Stadt und sorgten nicht nur für Diskussionen, sondern auch für den ein oder anderen Auffahrunfall an der Ampel. Zudem wurden sie reihenweise gestohlen. Insbesondere an Bushaltestellen fehlte in den beleuchteten Reklamefeldern öfters das Plakat mit der Werbung für Hotpants, BH, Tanga oder Pyjama – und der darin mehr oder eher weniger eingepackten Anna Nicole.

Einer der Diebe eines solchen Werbeplakats war nach eigenen Angaben der TV-Moderator Johannes B. Kerner, der zusammen mit einem Freund das riesige Pappbild aus der Halterung montierte. Aber anstatt sich darüber erfreuen zu können, landete Kerner eine Nacht im Gefängnis, wie er 2012 in einer Fernsehsendung verriet. Es war keine so kluge Idee, das Diebesgut im Bus, also mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, nach Hause transportieren zu wollen.

Heute rauschen Werbeplakate an mir vorbei, wenn ich im Auto sitze. Die wenigsten nehme ich überhaupt wahr. Damit sich das ändert, hat Ford ein Patent angemeldet, welches das Plakat nun von der Straße direkt ins Auto holt.

Das Patent beschreibt eine Methode, mit der Werbeplakate von der On-Bord-Kamera des Autos erfasst und ausgewertet werden. Diese wird dann mit Zusatzinformationen im Display des Autos angezeigt. Fährt man zum Beispiel an einer Whopper-Werbung vorbei, dann könnte das Bild eines saftigen Burgers im Armaturenbrett erscheinen.

Zudem ließe sich mit einem einzigen Knopfdruck das nächste BurgerKing-Restaurant ins Navi programmieren oder mit dem Autotelefon dort anrufen.

Andrew Liszewski vom Internetportal GIZMODO befürchtet, dass diese Erfindung die Kaufpreise von Neuwägen beeinflussen könnte. Da gibt es dann 10% Rabatt, wenn wir uns dafür während der Fahrt Werbung ansehen. Oder noch schlimmer: Das Auto kostet genau so viel wie vorher, aber wer keine Werbung sehen möchte, muss das „Still & Leise“-Paket als Sonderzubehör gegen Aufpreis mit dazu erwerben.

Ich persönlich glaube ja, dass die Idee von Ford überhaupt gar nicht durchdacht ist. Da wird eine Werbung in tausende Autos gespielt, wie eine Gieskanne. Wie ineffektiv! Da sind wir doch schon lange weiter. Google und Facebook wissen doch, wie personalisierte Werbung geht. Deswegen muss es andersrum laufen. Anstatt dass das Auto die Werbung erkennt und diese ins Auto holt, wäre es doch viel sinnvoller, wenn die Werbetafel den Fahrer erkennt – und dann eine passende Werbung auf der Plakatwand anzeigt. „Sabine im blauen VW – Zeit wird’s! Professionelle Zahnreinigung bietet ein Zahnarzt gleich hier um die Ecke“. Oder „Peter im silbernen BMW – wer Hämorrhoiden Salbe kaufte, kaufte auch Vaseline – heute im Angebot bei Rossmann. In 200m links.“.

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