Rosinen picken im Darknet

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind seit anderthalb Jahren nahezu konstant. Die Inflationsrate lag im Oktober gerade mal bei 1,1%, wie das Statistische Bundesamt in einer Schätzung mitteilte. Die Zahlen stützen sich auf diverse Güter des täglichen Lebens. Von Brot bis hin zu Energiekosten für die Heizung. Nicht berücksichtigt sind hier natürlich die Preise für illegale Dinge, wie Drogen oder geklaute Passwörter.

Laut statista.com, die sich wiederum auf die LKAs und das BKA berufen, sind die „überwiegenden Straßenpreise“ für Cannabisharz, Crack und Chrystal in den letzten zehn Jahren um etwa ein Drittel gestiegen. Nicht bekannt war, wie sich die Preise für geklaute Daten im Darknet entwickelt haben. Zum Glück gibt es dafür jetzt die zweite Studie, die das Unternehmen flashpoint veröffentlicht hat. Die Kernaussage: Europäischer Daten sind teurer als die von Amerikanern.

So kriegt man die Zugangsdaten für einen Onlinebanking-Account mit im Durchschnitt rund 10.000$ Guthaben für gerade mal 25$ – wenn der Kontoinhaber in den USA lebt. Der Zugang zu einem deutschen Konto schlägt hingegen schon mit dem siebenfachen zu Buche. Sehr ähnlich sehen die Preise bei Vorlagen für falsche Pässe aus. Auch hier sind europäische Daten teurer. Wer einen US Passport selbst drucken will, zahlt für das Template gerade mal 18$. Ein europäischer Pass zum Selbermachen aus Deutschland, Frankreich, Spanien oder Holland kostet hingegen schon 45-50$ – also gut das Dreifache. Da ein schwedischer Pass vor Sicherheitsmerkmalen nur so strotzt und fast unmöglich im do-it-yourself-Verfahren herzustellen ist, kriegt man hier einen Scan zum Selberausfüllen für gerade mal 5$. Aber den kauft auch keiner, weil die Nutzung sinnlos ist. Da müsste man schon auf einen komplett erblindeten Zöllner treffen, der auch kein Gefühl mehr in den Fingerkuppen hat.

Cyberwar (c) Yannick SchrödelDie Preise für geklaute Passwörter hingegen – so ist mein persönlicher Eindruck – ist im Darknet seit Jahren stabil. Die Preise richten sich hier nämlich nach drei Faktoren. Erstens: Gekaperte Klartextpasswörter sind deutlich teurer als nur deren „Fingerabdrücke“ (Hashwerte). Zweitens: Zugangsdaten von bekannten Services wie Dropbox kosten mehr, als die aus dem „Freizeit-Forum der Rauhaardackelbesitzer“. Und drittens spielt die Aktualität eine Rolle. Ist der Hack der Datenbank noch frisch, wird’s teuer. Alte Daten hingegen bekommt man nachgeschmissen. Ist ja klar … sobald jemand sein Passwort geändert hat, ist der Datensatz nutzlos.

Bei geklauten Passwörtern gilt es daher, die Weintraube zu vernaschen, bevor sie zur Rosine wird.


Bildnachweis: (c) Yannick Schrödel

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