Hatschi!

Immer wieder schreibe ich ja über meine liebe „Freundin“ Alexa, das Spracherkennungssystem von Amazon. Zugegeben, Alexa funktioniert technisch toll. Sie versteht Befehle deutlich besser als Siri oder Microsofts Cortana. Einzig Googles Spracherkennung kommt noch an Alexa ran. Na klar, es gibt auch immer mal wieder Fehler und Alexa sagt, sie hätte leider nicht verstanden, was ich meinte … obwohl ich überhaupt nichts gesagt habe und gerade an meiner Tasse Kaffee nuckele. Wahrscheinlich nuschele ich auch manchmal. Denn wenn ich mal heiser bin und meine Anweisungen eher räuspere als spreche, muss Alexa manchmal aufgeben und nachfragen, was ich meinte.

Doch damit ist jetzt Schluss! Amazon hat ein Patent auf eine Technologie erhalten die es ihnen erlaubt, anhand der Stimme herauszuhören, in welchem körperlichen Zustand der Besitzer einer Alexa ist. Wähle ich meine morgendliche Lieblingsradiostation mit belegter Stimme, kann mir Alexa gleich noch zwei Dinge anbieten: Ein Rezept für eine heiße Hühnersuppe zum Beispiel. Oder Alexa bestellt automatisch Hustenbonbons mit Same-Day-Delivery. Natürlich kommen nur Bonbons von Marken, deren Hersteller Amazon vorher Geld in die Tasche gesteckt haben. Irgendwann kommt dann wahrscheinlich noch die automatische Reanimation bei Herzinfarkten – zumindest, wenn wir lohnende Amazon-Kunden sind. Also nur, wenn wir nicht 50% Rücksendequote haben. Bis unser EKG wieder Piep Piep Piep Piep Piep macht strengt sich Alexa dann richtig an.

Allerdings … und nun wird es aus meiner Sicht kritisch – soll Alexa laut dem Patent auch in der Lage sein, den seelischen Zustand einer Person anhand der Stimme zu erkennen. Während ein Husten oder Räuspern klar auf eine Erkältung schließen lassen, sei Aufgeregtheit, Niedergeschlagenheit beim Sprechen oder gar Weinen ein Zeichen, das auf den seelischen Zustand des Patienten … Verzeihung, des Konsumenten … schließen lasse. Ich finde es ehrlich gesagt extrem bedenklich, wenn mich ein Algorithmus als depressiv einstufen würde und diese Information (theoretisch zumindest) auch noch an Dritte weitergegeben oder gar verkauft werden könnte. Im schlimmsten Fall weiß ich von der „Brandmarkung“ nämlich gar nichts und wundere mich, warum ich keine Kredite von der Bank bekomme oder die Krankenversicherung teurer wird.

Wir sind mal wieder an einem Punkt angelangt, wo wir darüber nachdenken müssen, ob man im digitalen Umfeld wirklich alles machen darf, was möglich ist. Körperliche oder seelische Schwächen darf nur ein Arzt bescheinigen, kein Kaufhaus. Also: „Alexa! Zieh dir bitte selbst den Stecker!“

Piep Piep Piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeep


Vielen Dank an Herrn Stotz für seinen Hinweis auf dieses Patent!

4 Kommentare zu “Hatschi!

  1. Wenn ich das alles so lese, bedauere ich es keinesfalls, mich gegen so eine Wanze in meinen vier Wänden entschieden zu haben. Was mich anderseits bestürzt ist, dass sich so viele Mitbürger offenbar überhaupt keine Gedanken dazu machen.

  2. Ich war und bin auch gegen diese Amazon-Wanzen, dennoch frage ich mich ob das Smatphone besser ist …
    Denn letztendlich ist mein Smartphone fast 24/7 neben mir und Alexa nunmal nicht. Darüber sollte man sich auch gedanken machen, denn Siri, Google etc. hören natürlich auch ständig über mein Smartphone mit und warten bis ich „Hey Siri“ oder „Ok Google“ sage.

    • Das ist sicher richtig. Deswegen hat auf meinem angebissenen Apfel Siri auch Hausverbot. Sprich, war noch nie installiert. :-) Das bedeutet sicher Verzicht auf Komfort, aber das nehme ich in Kauf.

  3. Genau so sehe ich das auch. Ich habe alle Sprachassistenten entweder gar nicht installiert oder sofort deaktiviert. Inzwischen frage ich sogar meinen Besuch, ob er derartige Software aktiv hat und bitte ggf. darum, diese zu deaktivieren.
    Ein unschönes Erlebnis bei einem Bekannten, bei dem Alexa aktiv war, brachte mich dazu, dies nun auch zu erfragen, wenn ich eine andere Wohnung betrete.
    Mag sein, dass ich überreagiere, aber das ist mir meine Privatsphäre wert. Da wo ich Einfluss habe, versuche ich ihn auch zu nutzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.